Versuch es doch einmal mit nur 10 Shots

Kennst du den Moment, wenn du auf Reisen bist und ein Foto nach dem anderen knipst? Du rennst wie wild umher und drückst immer und immer wieder auf den Auslöser. Der Ertrag davon ist meist eine zugemüllte Festplatte und einen Haufen unbrauchbarer oder unspektakulärer Bilder. Das muss nicht sein. Weniger ist mehr lautet hier die Devise. Versuch es einmal mit 10 Shots. 10 spezielle Bilder für die du dir Zeit nimmst und die du ganz bewusst fotografierst. In diesem Blog gebe ich dir einige Inputs dazu.

Shot 1: Die Sehenswürdigkeit einmal anders

 

Sehenswürdigkeiten gehören zu den kontroversesten Sujets auf Reisen. Zum einen muss man sie einfach besuchen und ablichten. Zum anderen aber, haben wir im Vorfeld meist hunderte Bilder von ihnen gesehen, wovon zwei Dutzend auch noch verdammt gut aussehen. Wenn wir jetzt also einfach loslaufen und versuchen eines dieser Fotos zu kopieren, machen wir uns selber keinen Gefallen. Es empfiehlt sich, einen komplett anderen Winkel zu suchen, einen anderen Standort. Die besondere Perspektive kann für das gewisse Extra sorgen. Wenn du dann noch die frühen Morgenstunden für die Aufnahme wählst, hast du gute Chancen ein ganz besonderes Bild mit nach Hause zu nehmen.

Shot 2: Ein Bild von euch selber

Wir leben im Zeitalter des Selfies. Durch Smartphones wurde das Selfie zum Foto-Genre Nummer Eins. Kein anderes Sujet wird so häufig geknipst wie das Selfie.  Wenn du jetzt einfach hingehst, dein Smartphone zückst, den Arm ausstreckst und abdrückst, ist das Bild wenig spektakulär. Halte die Kamera so weit wie es geht über deinen Kopf. Liege auf den Boden und fotografiere von oben. Oder bring das Smartphone auf Bodenhöhe und knipse von unten. Mit diesen Perspektiven bringst du schon mehr Spannung rein. Oder stelle dich vor eine spiegelnde Oberfläche und lichte dich so ab. Wie du dieses Bild auch kreierst, es ist letztendlich einfach ein Erinnerungsshot und muss nicht allzu spektakulär sein. Vielleicht nennst du auch eine Drohne dein Eigen. Setze sie ein um das Selfie zu schiessen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Shot 3: Ein Tier das typisch ist für die Region

 

Das mit den Tieren ist immer so eine Sache. In Afrika sind sie spektakulär. Ein Löwe, ein Wasserbüffel, ein Flusspferd, ein Leopard. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. In Australien findest du Kängurus und Koala Bären. In China Pandas und in Kanada neben Bären auch Orcas und Buckelwale. Überlege dir im Vorfeld, welche Tiere du allenfalls antreffen wirst und besorge dir das nötige Equipment. Meist ist ein Tele-Objektiv von Nöten. Wenn dann der Moment gekommen ist, versuche das Tier in einem speziellen Rahmen abzubilden. Nimm Gras in den Vordergrund und lasse es in der Unschärfe verschwinden. Zoome ganz nah ran und zeige nur einen Ausschnitt des Tieres. Sei kreativ und kreiere etwas Spezielles.

Shot 4: Die Landschaft

 

Landschaften gehören zu den Top-Drei Genres der Fotografie. Landschaften können uns Menschen verzaubern und in ihren Bann ziehen. Der grosse Nachteil ist, dass eine Landschaft Wirkung entfaltet, müssen wir uns als Fotografen Mühe geben. Für dich heisst dies, dass du die Blaue- oder die Goldene Stunde zum Fotografieren wählst. Dann hast du die beste Aufnahmezeit schon einmal auf sicher und du wirst bei gutem Wetter mit fantastischem Licht belohnt. Bei der Komposition solltest du darauf achten, dass du immer einen Vordergrund in deine Landschaftsaufnahmen miteinbaust. „Vordergrund macht Bild gesund“ lautet ein weit verbreitetes Sprichwort. Beherzige dies.

Shot 5: Die City von ihrer speziellen Seite

 

Street-Photography ist ein eigenes Genre und bietet viel Platz um sich kreativ auszutoben. Wenn du durch die Strassen gehst, versuche das Spezielle einzufangen. Rauch, der aus dem Gullideckel aufsteigt beispielsweise. Oder fotografiere aus Bodenhöhe die vielen Beine, die wild durcheinander ihren Weg gehen. Gib dabei immer der Stadt einen gewisse Raum im Bild und arbeite mit einer geringen Schärfentiefe. Gehe nahe ran an die Architektur und zeige nur einen Ausschnitt von ihr. Fotografiere bei Tag mit ND-Filtern und setze die Technik der Langzeitbelichtung ein, dies bringt Dynamik in die Szene.

Shot 6: Das Detail

 

Detailaufnahmen erzeugen besondere Spannung, da sie nicht das Ganze zeigen. Unser Hirn liebt es, Dinge zu vervollständigen. Eine Detailaufnahme beschäftigt das Hirn, regt es zum Denken an und erzeugt somit beim Betrachter Spannung. Achte bei Detailaufnahmen besonders auf Farben und Linien. Diese wirken besonders stark.

Shot 7: Das Portrait eines Einheimischen

Portraits gehören ebenfalls zu den Top-Drei der Fotografie-Genres. Wenn du auf Reisen bist, versuche mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen und frage sie, ob du ein Portrait von ihnen machen darfst. Setze die Personen in den Zusammenhang mit ihrem Leben. Einen Fischer beispielsweise, lichtest du im Hafen oder auf dem Boot, umgeben von Fischernetzen und in seiner Fischer-Kleidung ab.

Shot 8: Spezielles Essen

Wenn es dir so ergeht wie mir, dann liebst du Essen. Zwar konnte ich mich noch nie richtig für Food-Bilder begeistern. Wenn diese aber schön gemacht sind, haben sie doch etwas Besonderes. Du kannst beispielsweise Kontraste auf deinem Teller schaffen. Oder das Essen symmetrisch neu positionieren. Klar, meist erledigt dies der Koch für dich. Wenn dir sein Kunstwerk gefällt, würdige es mit einem Foto. Wenn du das Kunstwerk selber erstellt hast, teile es mit der Welt, oder zumindest mit deinen Liebsten.

Shot 9: Der Sonnenuntergang

 

Dieses Foto gehört zu den kitschigsten und meist leider auch zu den schlechtesten Bildern. Der Sonnenuntergang ist wegen den herrschenden Lichtverhältnissen nicht einfach zu fotografieren. Versuche es doch einmal mit einer Langzeitbelichtung wenn du am Strand bist. Die Wolken und das Wasser werden weichgezeichnet, das Bild wird generell ein Ticken heller und dein Sonnenuntergangs-Bild erhält einen speziellen Touch.

Shot 10: Der spezielle Moment

 

Hier kann ich dir nicht gross Tipps geben. Du fühlst wann der spezielle Moment gekommen ist. Schiesse ein spezielles Bild. Etwas, dass typisch ist für diesen Moment. Fang das Besondere ein. Vergiss aber nicht diesen speziellen Moment zu geniessen. Und wer weiss, vielleicht lässt du die Kamera auch komplett weg und behältst das Bild nur in deinem Kopf.

Wenn ihr Anregungen zur Reisefotografie habt, hinterlasst uns doch eine Nachricht. Uns würden eure Must-Fotos auf Reisen interessieren. Postet diese unten in die Kommentare. In dem Sinne, eine gute Zeit und bis zum nächsten Blog ☺


Stefan Tschumi – Fotoexperte auf comewithus2

Der 30-jährige Kreuzlinger hat am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaften, ZHAW in Winterthur Journalismus- und Organisationskommunikation studiert und hat dabei im Jahre 2011 das erste Mal den Auslöser einer Spiegelreflexkamera gedrückt. Seit da lässt ihn die Faszination für Bilder nicht mehr los. Zur Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren auch die Videoproduktion hinzugesellt und aus dem Hobby wurde ein Beruf.

Als Kursleiter Fotografie und Video teilt Stefan sein Wissen bei der Klubschule Migros und arbeitet als Eishockey-Reporter, Eishockey-Guide und Produktionsassistent beim Schweizer Radio und Fernsehen.

Neben der Fotografie ist das Reisen die andere grosse Passion – etwas, das Stefan mit comewithus2 teilt.

Mehr über Stefan Tschumi gibt es auf Instagram: stefantschumi
Auf 500px: 500px.com/stefantschumi
Oder auf seiner Homepage: tschumimedia.com


 

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