Dagmar und Bruno: Mit dem Dachzelt und viel positiver Energie unterwegs

Auf der ganzen Welt sind Reisende, wie wir, mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Sie suchen sich ihren Weg durch steiles Gelände, dem Strand entlang oder durch Grossstädte. Sie stossen an ihre Grenzen, erleben atemberaubendes und lernen dabei fürs Leben. In unserer Serie „Mit meinem Bett in…“ stellen wir dir immer Sonntags verschiedene Reisenomaden vor. Im 17.Teil lassen wir heute Dagmar und Bruno zu Wort kommen.

Persönlich 

Wir sind Dagmar und Bruno und kommen gerade von einer fünfwöchigen Reise durch Italien zurück. Von Bozen bis Palermo und wieder zurück. Unseren festen Wohnsitz haben wir im Schwarzwald, wobei der irgendwann einmal obsolet sein soll.

Dagmar und Bruno
Dagmar und Bruno

 

Spätestens in 2 Jahren wollen wir die überwiegende Zeit des Jahres auf Reisen sein und von unterwegs arbeiten. Da wir im Onlinemarketing tätig sind, können wir unsere Kunden auch von unterwegs betreuen, vorausgesetzt, es gibt eine gute Internetverbindung.

Zurzeit bauen wir unseren beiden Blogs auf. Auf Lucky-ways (www.lucky-ways.de) schreiben wir über all unsere glücklichen Wege, ob offroad oder onroad. Über unsere Reiseerlebnisse, die wir in wunderschönen Bildern festhalten. Dazu liefern wir Tipps über Locations, die interessant sind oder geben Empfehlungen zur Ausstattung für Langzeitreisende.

Balance of life (www.balanceoflife.eu) ist der zweite Blog, der allerdings noch eine Baustelle ist, aber immerhin in der Endphase. Hier geht es darum, dass jeder von uns es verdient hat, sein Leben nach seinen Vorstellungen und Träumen zu führen. Ein Lifestyle, wie er von der Schöpfung, Schicksal oder gerne auch Karma für dich vorgesehen war. Bevor du dich darauf eingelassen hast, dem Ruf des „standardisierten Lebens“ zu folgen.

Wir sind mit 59 beziehungsweise 57 Jahren sicher die Oldies unter den Bloggern und ortunabhängig Arbeitenden. Wobei wir in keine Kategorie so richtig reinpassen, uns am wohlsten jedoch unter den freigeistigen Digitalen Nomaden und handlungsaktiven Online-Entrepreneuren fühlen.


Das Fahrzeug 

Auch hier fallen wir ein bisschen aus dem Rahmen, da wir kein festes Dach beim schlafen über uns haben. Stattdessen schlafen wir in einem Dachzelt der Firma Autocamp, das geräumig genug ist, damit zwei Personen darin gut Platz finden.

Unterwegs sind Dagmar und Bruno mit einem Landrover Discovery 4 und Dachzelt

Zudem bietet es den Luxus eines Vorzeltes, das wiederum bei Regen eine gute Rückzugsmöglichkeit bietet. Da passen sogar unsere beiden bequemen Stühle samt Tisch hinein, und wir haben schon manchen verregneten Abend darin gemütlich gesessen.

Ein paar Tage Regen hält das Zelt locker aus, ohne zu durchnässen, allerdings ist es für eine längere Schlechtwetterperiode nicht gemacht. Unser Tipp: nur in sonnensichere Gegenden reisen.

Das Zelt ist stabil verschraubt mit unserem Landrover Discovery 4, unserer Burg. Wir können nicht beschreiben, wie wir dieses Auto schätzen. Allerdings haben wir ihn noch etwas aufgerüstet, damit er etwas „rugher“ aussieht und für unsere Zwecke dienlicher ist.

Von Hause aus ist der Disco schon mal einsame Spitze, offroadgeeignet ab Werk.

Was wir noch ergänzt haben:

  • Eine Zweitbatterie, damit wir einige Tage stromunabhängig an einsamen Plätzen stehen können. Diese wird bei Bedarf durch ein transportables Solarmodul gespeist
  • Anitas-Höherlegung, um bis zu 10 cm mehr Bodenfreiheit zu bekommen
  • Getriebeschutzabdeckung
  • 18‘‘ AT-Reifen, um auch im Gelände gut durchzukommen
  • Spurverbreiterung, ging mit der Höherlegung und den breiteren Reifen einher
  • Reserveradhalter am Heck

Es fehlen noch ein paar „Kleinigkeiten“, wie etwa ein Schnorchel, aber diese Teile bauen wir erst ein, wenn es nötig wird. Für unsere Reisen durch Marokko oder in den Iran, die noch auf unserer Bucketliste stehen.

Unser Disco verbraucht im Schnitt 12,5 Liter Diesel, je nachdem, wie rau wir ihn fahren. Da wir jedoch aufgrund des Dachzeltes kaum schneller als 120 km/h fahren, bleibt es in dieser Größenordnung. Im Gelände auf Offroadstecken liegt der Verbrauch deutlich höher.

Wir haben uns für dieses Fahrzeug entschieden, nachdem wir fast alle anderen Geländewagen zur Probe gefahren sind. Keiner hat uns wirklich überzeugt.

Für uns stand die Maxime im Vordergrund, überall hinkommen zu können und zudem einen bequemen Reisewagen zu haben.

Und das erfüllt unser Auto. Steigungen bis 30 Prozent sind kein Problem, eine steile Böschung hinunter zur einsamen Bucht erledigt er spielend. Durch Flussläufe bis 80 cm Tiefe, über Geröll und Felsen. Alles schon gemacht. Und nach 800 km auf der Autobahn, unterwegs zu einem Kundentermin, sind wir immer noch entspannt.

Was wir sonst noch dabei haben, um komfortabel zu reisen ist Folgendes:

  • Eine Solardusche mit Pumpe samt Duschzelt, um blickgeschützt duschen zu können
  • 60 Liter Frischwasser in vier Kanistern
  • Eine 45-ltr. Waeco-Kühlbox, da passen immer zwei Flaschen Roséwein sowie Lebensmittel für vier Tage  hinein

Ihr habt von uns den bekannten „Mit meinem Bett in…“- Fragebogen erhalten, wo beantwortet ihr die Fragen?
Wir sind gerade am Lago Trasimeno, in Umbrien. Kurz vor der Grenze zur Toskana. Dort haben wir einen Stellplatz auf dem Grundstück eines kleinen Hotels gefunden. Hier bleiben wir drei Nächte und arbeiten. Wobei arbeiten das falsche Wort ist: wir machen das, was uns Freude bereitet. Ich schreibe, Bruno recherchiert unsere nächste Reise, die Anfang Juli ins Baltikum geht und sichert nebenbei einige Fotos.

Bruno bei der Arbeit
Bruno bei der Arbeit

Warum habt ihr euch genau für diesen Ort entschieden?
Das war ein Zufall. Wir schauen uns irgendwann mal am Tag um oder stöbern in verschiedenen Apps, wo es gute Plätze gibt.  Für diesen Platz haben wir uns entscheiden, weil wir hier dreierlei miteinander verbinden können: wir haben einen schönen Platz am See, wir können am Pool arbeiten und, wenn wir wollen, heute Abend im Hotelrestaurant essen, ohne das Auto bewegen zu müssen.

War die letzte Nacht ruhig oder hört ihr wie wir derzeit oft die Hunde bellen?
Unsere letzte Nacht war ruhig, lediglich Grillen zirpten in den Zypressen. Dazu rauschten die Wellen, da es abends immer windet. Die ideale Musik, um einschlafen zu können.

Wie würdet ihr das Innere eures Reisemobils beschreiben, ist es euer Zuhause, das Wohnzimmer oder alles in einem?
Nun, wie gesagt, wir haben ein Dachzelt und das ist äusserst einladend. Vor allem haben wir aus dem ersten Stock eine wunderbare Aussicht.

Ihr Fahrzeug nennen Dagmar und Bruno auch gerne eine Burg.

Die Küche steht im Reisemobil meist oft nicht weit vom Wohnzimmer entfernt, verratet ihr uns euer Lieblings-Camper-Rezept?
Ein Lieblingsrezept haben wir nicht. Am liebsten soll es schnell gehen. Auf dieser Reise haben wir so viele Nudeln gegessen, wie noch nie. Spaghetti, Cannelloni, Tagliatelle. Irgendwie ja auch logisch. Dazu Tomatensoße. Mit Gambas, mit Schwertfisch, mit Thunfisch, mit Gemüse, ohne Gemüse, dafür viel Sosse. Aber immer mit Knoblauch und viel Olivenöl.

Unsere „Küche“ ist sehr flexibel. Die Heckklappe des Discos ist die Arbeitsfläche. Unsere Vorratskiste und die Kühlbox stehen griffbereit im Wageninneren. Drehe ich mich um 180 Grad, steht da ein Coleman-Tisch, auf dem die beiden Gaskocher stehen. Unter dem Tisch steht die Kiste mit Geschirr und Besteck, alles in Reichweite. Ebenso der Wasserkanister.

Zugegeben, das funktioniert nur bei gutem Wetter. Bei schlechtem Wetter bleibt die Küche kalt, es gibt Käse, Baguette und Rotwein im geschlossenen Vorzelt. Oder wir gehen essen.

Gambas mit Nuden
Gekocht wird bei den Abenteurern ganz oft selbst.

Kocht ihr oft selbst?
Ja, in der Regel kochen wir. Schon aus Budgetgründen. Aber auch, weil uns unser selbstgekochtes Essen meist am besten schmeckt. Da wir sehr auf vollwertiges und gesundes Essen achten, bereiten wir das am liebsten selbst zu. Mit tagesfrischen Produkten aus der Region. Und manchmal haben wir den luxuriösen Service, so wie am wilden Strand von San Vita lo Capo, und es kommen im Laufe des Morgens Fischer zu unserem Platz, und bieten ihre Fische zum Kauf an.

Strand von San Vita lo Capo
Abendessen am Strand von San Vita lo Capo

Wohnzimmer, Küche, Bad, alles auf wenigen Quadratmetern, warum reist ihr gerade mit dem Camper durch die Welt und nicht mit dem Flugzeug?
Wir wollen so unabhängig wie möglich sein. Es kann passieren, dass wir morgens früh aufwachen und spontan beschliessen, zum Logo Maggiore oder in die Provence zu fahren. Und wir wollen nicht Tage vorher damit verbringen, nach Flügen, Bahnverbindungen etc. zu suchen.  Ausserdem wollen wir an Plätzen stehen, die besonders sind. Sei es wegen der Aussicht, dem Sonnenuntergang oder dem Spirit. Dort, wo andere nicht so leicht hinkommen. Deswegen reisen wir mit sehr wenig Gepäck, mit wenig Drumherum. Das vereinfacht das Packen und das Offroadfahren.  Und der dritte Punkt ist, dass wir so oft auf Leute treffen, die auf unserer Wellenlänge sind. Wir geben Tipps, und bekommen im Gegenzug Tipps von ihnen. Gerade in Ländern wie Albanien ist das eine unschätzbare Hilfe.

Camping wird oft auch mit Romantik in Verbindung gebracht, was waren bis anhin eure schönsten Erlebnisse „on the road“?
Meist sind das Erlebnisse mit Einheimischen. Wenn wir spontan etwas geschenkt bekommen. Obst oder Gemüse. Wenn wir mit ihnen ins Gespräch kommen, und sie uns etwas über ihr Leben, ihre Sicht auf ihr Land erzählen.  Wie sie zum Beispiel in Albanien versuchen, sich etwas Wohlstand aufzubauen. Oder auch, wenn wir spät am Abend einen Stellplatz mitten auf dem Dorfplatz bekommen, um nicht bei Regen weiter durch die dann unwirtlichen albanischen Alpen fahren zu müssen.  Oder auch, wenn der sizilianische Bauer uns vom Traktor aus zuwinkt und lacht. Und ein Schuster Bruno zuliebe seinen Feierabend verschiebt, um seinen kaputten Stuhl zu nähen.  Von den vielen Sonnenuntergängen und –aufgängen sowie Vollmondnächten im Zelt ganz zu schweigen.

Locals
Sind Dagmar und Bruno unterwegs, tauschen sie sich gerne mit den „Locals“ aus.

Freud und Leid liegen oft nahe beieinander, wo liegen die Probleme wenn man mit dem Camper unterwegs ist und seid ihr schon einmal stehen geblieben?

Bis jetzt, toi, toi, toi, hatten wir immer Glück. Unser Disco ist ganz schön zuverlässig. Selbst die schwierigsten Offroadpisten in Albanien nahm er uns nicht übel. Im Gegenteil, gerade da lief er zur Hochform auf.

Das Zelt liess uns bisher auch nicht im Stich. Eher bin ich es, die Angst hatte, dass es bei starker Bora an der kroatischen Küste wegfliegt. Doch gut abgespannt, hielt das Zelt auch dem entspannt stand.

Selbst drei aufeinanderfolgende Gewitter in einer Nacht, die wir im Hochsommer im Elsass am Petit Ballon freistehend erlebten, hat das Zelt locker weggesteckt. Ich weniger, solche Angst hatte ich vor einem Blitzeinschlag.

Als Camper ist man immer auf der Suche nach der schönsten Route, von welcher Strecke schwärmt ihr bei jeder Camper-Unterhaltung?
Bis jetzt konnte die albanischen Alpen, im Theth Nationalpark, nichts toppen. Steile, felsige Offroadstrecken, inmitten einer grandiosen Bergwelt. Im Vorbeifahren konnten wir aus dem Fenster die besten Brombeeren pflücken, die wir bislang gegessen hatten. Und am Strassenrand wurden uns die saftigsten grünen Feigen verkauft, die wir bisher genossen haben.

Nationalpark Albanien
Unterwegs im Theth Nationalpark in Albanien

Wir trafen naturgemäss nur wenige Reisende, und wenn doch, dann Offroadfahrer, die gemütlich unterwegs waren. Man tauschte sich aus, wohin, woher und freute sich gemeinsam über die wunderschöne, einsame Landschaft.

Die Strecke war so eng, dass nur ein schmales Fahrzeug Platz hatte und vor jeder Kurve bibberten wir, dass uns niemand entgegenkommt. Dreimal haben wir umsonst gebetet, aber die netten albanischen Autofahrer, die uns dort entgegenkamen, haben hilfsbereit den Rückzug angetreten. Will heißen, sie haben ihr Fahrzeug zurückgesetzt, damit wir „Albanien-Grünschnäbel“ entspannt vorbei konnten, Nicht ohne uns zuzulachen, uns zu winken, oder einen kleinen Plausch zu halten. Woher kommt ihr? Ah, Deutschland. Gutes Land. Wieso seid ihr in Albanien? Ja, ja, schönes Land, aber so arm.

Fahrt ihr nach Karte oder mit einem Navigationssystem (mit welchen)?
Wir fahren am liebsten nach Karte. Wir haben auch ein Navi an Bord, aber das taugt in vielen Ländern nicht viel. Zum Beispiel Albanien, denn da gibt es keine Navidaten. Da waren wir froh über unsere Karte, die ziemlich genau war. Albanien, freytag&bernd 1:150.000.

Aber dennoch mussten wir hin und wieder auch nach Kompass fahren, wenn wir mitten in der Wildnis standen und irgendwo weiter nordwestlich unser Zielpunkt sein sollte.

Ansonsten bevorzugen wir Michelinkarten, da darin alle kleinen und schmalen Sträßchen eingezeichnet sind. Und die suchen wir uns gezielt für unsere Route aus. Gemeinsam mit Google Maps, beziehungsweise Earth, finden wir da oft wahre Schätzchen.

Wann und wo habt ihr euch das letzte Mal so richtig verfahren und noch wichtiger wer hat dabei die Nerven behalten?
So richtig verfahren haben wir uns noch nicht. Denn mit dem Allradfahrzeug gibt es meist irgendeinen Weg heraus. Vor kritischen, unübersichtlichen Wegen steigt der Beifahrer aus und sondiert die Lage: Gefälle, Wendemöglichkeit, Schlaglöcher, Bodenwellen, tiefhängende Äste.

Auf welche Apps könnt ihr als Reisende nicht mehr verzichten? 

Wasserwaage – jeden Abend die erste App, die geöffnet wird. Steht das Auto gerade?

Google Maps, meine Karten – wo fahren wir hier eigentlich lang?

Leo – was heisst „danke“ auf Albanisch?

Wetter – bleibt es morgen schön oder fahren wir der Sonne entgegen?

Blogs, Facebook, Reiseführer: Wie informiert ihr euch über euer nächstes Reiseziel?
Meist über die Reisblogs, denen wir folgen. Nach Albanien sind wir u. a. auch, weil wir Bilder und Reiseberichte von der „Pistenkuh“ www.pistenkuh.de gelesen haben und Burkhardt so toll über das Land schrieb und so grandiose Bilder gezeigt hat. Wir lesen auch immer noch die guten alten Reiseführer, über Albanien z. Bsp. diesen hier: Albanien von Renate Ndarurinze aus dem Trescher-Verlag.

Folgt ihr auch mal den Touristen-Routen oder meidet ihr Sehenswürdigkeiten und Touristenhochburgen konsequent?
Wir folgen auch touristischen Routen. Denn wir wollen ja die berühmten Sehenswürdigkeiten des Landes sehen. Wir meiden jedoch konsequent touristische Hochburgen.

Auf der Anreise nach Albanien kommt man ja auch durch Montenegro. Fährt man nicht durch die Berge, was sicher sehr eindrücklich ist, muss man an den zugebauten, ehemals sicher wunderschönen Stränden, vorbei. Dort reiht sich ein Hotel an das andere, abends ist der Bär los und es ist uns dort einfach zu voll. Also nichts wie weg.

Wenn ich sage, dass wir touristische Hochburgen meiden, hört sich das so an, als ob wir Venedig, Pompeij, die Amalfiküste und Taormina auf unserer kürzlich abgeschlossenen Reise links liegen liessen. Doch das ging nun wirklich nicht! Allerdings war es im Mai überall noch angenehm leer und die Straßen nicht zu verstopft. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das im August sein wird.

In Albanien waren die Strassen nicht immer frei.

Wie löst ihr das bekannte Internet-Problem, habt ihr eine SIM-Karte oder gar einen Satelliten?
Wir haben uns den Rooter von Huawei gekauft, die beste Entscheidung seit langem! Mit einer italienischen SIM-Karte eines bekannten Anbieters 😉 und 30 GB Datenvolumen kamen wir einen Monat hin.

Diesen kleinen Rooter hatte ich in meinem Rucksack immer dabei und so hatten wir den ganzen Tag über feinste Internetverbindung.

Auf unserer Albanienreise letztes Jahr hatten wir diese bequeme Möglichkeit noch nicht, aber dafür gab es dort in vielen Kneipen, Gasthäusern oder an Hotspots bestes Internet. Da kann sich Deutschland stellenweise noch eine Scheibe abschneiden.

Bei uns läuft während der Fahrt immer laute Musik, bei euch auch oder singt ihr lieber selbst?
Bruno stellt vor den Reisen ein Programm unserer liebsten Songs auf der Festplatte zusammen beziehungsweise wir nehmen die entsprechenden CDs mit. Abends machen wir selbst Musik – Bruno spielt Gitarre, ich singe dazu (manchmal).

Wo übernachtet ihr lieber: Auf dem Campingplatz oder an einem wilden Ort in der Natur?
Das kommt darauf an. Am liebsten in der Natur, weit weg von der Zivilisation. Als Nachbarn nur Nachtkauze und Füchse.

Aber manchmal brauchen wir eine Waschmaschine oder wollen mal mit richtig heißem Wasser lange duschen. Dann gehen wir auf einen Stell-oder Campingplatz. Aber es ist nie, nie ein 4* ADAC-geprüfter Platz mit Kinderbelustigung und bunten Folkloreabenden.

Wie lange könnt ihr mit eurem Reisemobil autark stehen? Und wer produziert in dieser Zeit euren Strom?
Wir können vier bis fünf Tage autark stehen. In der Zeit bekommen wir Strom von der Zweitbatterie, die mit einem Solarpanel aufgeladen wird. Der Engpass sind unsere Notebooks, da wir das mit dem Stromwandler noch nicht so richtig gelöst haben.

Apropos Sicherheit, wie sichert ihr euch während der Nacht? Hattet ihr gar schon einmal Angst?
Wir sichern uns gar nicht. Wenn wir wild stehen, suchen wir uns einen etwas versteckten Platz. Oder wir fragen den Bauern, ob wir eine Nacht auf seinem Acker, in seinem Olivenhain stehen dürfen.

Zur schönsten Strecke gehört auch der schönste Stellplatz, wo liegt dieser für euch und warum?
Ein schöner Stellplatz war für uns der Strand von Salin de Giraud in der Camarque, bevor er vor einigen Jahren geschlossen wurde. Er war vollkommen naturbelassen, in den Dünen und die Gitanes bauten sich dort über den Sommer ihre Strandhütten.

Den ganzen Abend machten sie ihre Musik und da wir ganz am äußersten Ende, im eigentlich nicht erlaubten Bereich standen, klang diese nur gedämpft zu uns rüber.

Morgens konnte man nackt im Meer schwimmen, abends beim Lagerfeuer lecker grillen.

Welche Strecke möchtet ihr mit eurem Camper unbedingt einmal fahren, habt es aber bist jetzt noch nicht geschafft?
Strecke? StreckeN! Wir wollen unbedingt demnächst nach Marokko und dort ins Atlasgebirge zu den Teppichweberinnen.  Und durch Süd-Spanien, bis nach Portugal rauf.  Und wir möchten in den Iran, über Griechenland und die Türkei. Nordschweden mit Lappland steht auch noch auf dem Plan.  Genauso wie die Mongolei.

Was ist entscheidend, ob ihr eine oder gleich mehrere Nächte an einem Ort bleibt?
Es sind eigentlich nur die Vibes, die dieser Ort bietet. Fühlen wir uns wohl, stimmt der Standplatz, sind wir alleine oder nur mit wenigen Gleichgesinnten. Und natürlich haben wir gute Internetverbindung?

Berge Albanien
Unterwegs in den albanischen Bergen.

Fussballmatchs, Konzerte, oder den Backofen: Was vermisst ihr am meisten von Zuhause wenn ihr „on the road“ seid?
Wir vermissen nichts. Ok, manchmal unser großes Badezimmer. Aber wir wundern uns immer wieder, mit wie wenig wir über Wochen auskommen können. Und ein gutes Konzert bauen wir in unsere Reise einfach en. So wie letztes Jahr auf unserer Rückreise von Albanien David Gilmore in Verona.

Hand aufs Herz, wie oft schaut ihr unterwegs Filme oder Serien online an? Habt ihr einen Fernseher dabei oder dient der Laptop auch dafür?
Wir schauen keine Filme beziehungsweise Serien. Entweder lesen wir, im Kindle. Oder wir surfen und posten in Facebook und Instagram. Oder wir unterhalten uns. Tatsächlich.

Im Camper zu leben heisst zusammenleben auf wenigen Quadratmetern, fliegen da auch einmal die Fetzen?
Klar, wir streiten auch. Und nicht nur das. Manchmal kracht es richtig und dann gehen wir uns aus dem Weg. Ich liege dann oben im Zelt und lese, Bruno spielt Gitarre oder beschäftigt sich mit dem Internet. Nach einer Weile gehen wir wieder aufeinander zu: „Meine (Motz)-Stunde ist jetzt vorbei. Und deine“?

Was schätzt ihr am Reisen als Paar?
Dass wir alles zusammenerleben und uns dem anderen mitteilen können. Jede Erfahrung gewinnt an Tiefe, wenn man sie zu zweit macht. Jedes zu bewältigende Problem wird leichter, wenn man zu zweit darüber nachdenkt.  Jede bestandene Challenge wird zu einem Erlebnis, über das wir immer wieder reden und uns darüber freuen können.  Ausserdem ergänzen wir uns perfekt: Bruno ist der Geduldige, Besonnene. Mein Fels in der Brandung. Ich dagegen die Quirlige, die unbekannte Orte auscheckt und davon träumt, immer das Ultimative aus einer Sache herauszuholen.

Hat sich eure Beziehung verändert, seit ihr auf der Reise seid?
Hm, schwer zu sagen. Wir sind da langsam hineingewachsen. Erst fing es mit dem Bodenzelt und Kurztrips an. Dann mit einer 200km-Wanderung zum Bodensee.  Danach kam der Wunsch, lange Zeit unterwegs sein zu können und dabei auch zu arbeiten.  Und der Wunsch nach Reisen abseits der vielbefahrenen Strassen. Wir wurden immer mutiger, immer neugieriger. Haben Gleichgesinnte gesucht, über das Bloggen kennen gelernt. So gesehen sind wir beide an diesen Reisen gewachsen. Das bekommt auch der Beziehung gut.

Damit auch der nächste Tank wieder gefüllt ist, braucht es Geld, womit finanziert ihr eure Reise, lebt ihr dauerhaft im Camper?
Wir verdienen unser Geld zurzeit mit unserer Marketingagentur www.bc-vision.eu. Dort haben wir die Kundenprojekte mehr und mehr auf digitales Business umgestellt, so dass wir von unterwegs die Projekte weiter bearbeiten können.  Mitunter stehen auch Projekte beim Kunden an, die unsere physische Anwesenheit erfordern. Entweder legen wir unsere Reisen um diese Termine oder wir fliegen zu dem Geschäftstermin. Zudem bauen wir gerade unsere beiden Blogs auf und hoffen, dass sie uns in einigen Jahren ein passives Einkommen bringen.

Apropos Tank, wie viel habt ihr für die letzte Füllung bezahlt? (Literpreis/Land)
Wir sind gerade in Italien und da ist Diesel recht teuer. 1,31 € pro Liter sind schon ein Schnäppchen. Teilweise wollen die 1,56 €. Also heisst es: Augen offen halten und tanken, wenn’s preiswert ist.

Wohin geht eure Reise in den kommenden Monaten? Wie sieht eure Route aus?
Wir werden vom 8. bis 9. Juli an der Citizen Circle (CC) Jahreskonferenz in Tallinn teilnehmen. Statt zu fliegen, werden wir mit dem Auto ab dem 2.7. anreisen. Für die Rückfahrt wollen wir uns länger Zeit lassen, um die baltischen Staaten etwas kennen zu lernen. Alles in allem planen wir drei Wochen. Vorerst…

Wo seht ihr euch in 5 Jahren? Seid ihr dann immer noch „on the road“ oder vielleicht doch wieder sesshaft?
In unserer Vision sehen wir uns in fünf Jahren durch Australien und Neuseeland fahren. Mindestens 12 Monate lang. Dafür wollen wir mit unserem Disco auf der Landstrecke bis nach Asien und uns irgendwo in Südasien nach Australien verschiffen. Vorausgesetzt, die Strecke ist bis dahin einigermassen sicher zu fahren.  Falls nicht, fällt uns bestimmt etwas anderes ein.

Wir danken Bruno und Dagmar für das spannende Interview und wünschen eine gute Weiterreise und stets genug Sprit im Tank. Das war die vorerst letzte Folge unserer Serie „Mit meinem Bett in…“.

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