Von elf bis drei hat der Fotograf frei

In der Fotografie gibt es viele Sprichwörter, welche dir beim Fotografieren durchaus helfen können. Eines lautet: „Von elf bis drei hat der Fotograf frei“ und spielt damit auf die richtige Zeit für die Fotografie an.

Küste in gelblich warmen Licht - goldene Stunde
Typisches warmes Licht der goldenen Stunde / by Stefan Tschumi

Wenn du dich schon einmal gefragt hast, was ein gutes Bild von einem fantastischen unterscheidet, so sind dies meist zwei Dinge: Die Komposition und das Licht. Auf letzteres geht dieser Blog ein.
Meinen Kursteilnehmer sage ich zu Beginn jeden Lehrganges, dass wenn sie sich nur eine Sache einprägen, dann bitte jene, dass in der Fotografie alles Licht ist. Ohne Licht ist es uns nicht möglich ein Foto zu schiessen. Der Begriff Fotografie bedeutet auch Malen mit Licht. Dies verdeutlicht die Wichtigkeiten der Lumen und Kelvins.

Das perfekte Licht gibt es zwei Mal am Tag

Wenn du draussen fotografierst, bist du vom vorhandenen Licht abhängig. Wo du bei Portrait-Aufnahmen noch mit einem externen Blitz nachhelfen kannst, stehst du bei der Landschaftsfotografie hingegen auf verlorenem Posten da. Auf Reisen habe ich beispielsweise fast nie externe Lichtquellen dabei. Umso entscheidender ist deshalb das zur Verfügung stehende Licht. Dieses wiederum, hängt von der Tageszeit ab. Zwei Mal am Tag finden sich die ganz speziellen Lichtsituationen, welche Blaue und Goldene Stunde genannt werden. Am Morgen, kurz bevor die Sonne über den Horizont tritt, ist die Welt in ein mystisches blaues Licht getaucht. Wenig überraschend wird diese Lichtsituation Blaue Stunde genannt. Kurz nach dem der grosse Feuerball über den Horizont gestiegen ist, beginnt die Goldene Stunde. Aus meiner Sicht die schönste Zeit um zu fotografieren. Das Licht ist besonders weich und die Landschaft erstrahlt in ihren schönsten Farben. Gleiches Szenario triffst du rund um den Sonnenuntergang an. Dann jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Auf die Goldene Stunde folgt, nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, die Blaue Stunde.

Lass dich übrigens nicht vom Namen täuschen. Weder die Blaue noch die Goldene Stunde dauern 60 Minuten. Meist sind es gar nur kurze Momente. Es ist deshalb ratsam, dass du die Kamera stets bereithältst und die Einstellungen permanent anpasst. So bist du für den grossen Moment bereit und kannst ihn vollumfänglich auskosten.

Meide die Mittagszeit und den Nachmittag

Was, wenn du nun am Morgen nach draussen bist und die Blaue sowie die Goldene Stunde zum Fotografieren genutzt hast? Nimm dir frei. Zumindest dann, wenn die Sonne am höchsten steht. Das Sprichwort: “Von elf bis drei hat der Fotograf frei“, bezieht sich auf diese Zeit. Merke es dir und beachte es vor allem im Sommer. Während dieser Zeit triffst du hartes Licht an, welches harte Schatten wirft. Es ist nicht unmöglich während dieser Tageszeit zu fotografieren. Aber die Chance, dass der Himmel ausbrennt, ist enorm hoch und du wirst vor Schwierigkeiten gestellt, welchen du während der anderen Zeit des Tages entgehst.
Eine Ausnahme gibt es jedoch. Wenn du Insekten mittels Makrofotografie festhalten möchtest und dazu kein Blitz zur Verfügung steht, nutze das harte direkte Sonnenlicht. Denn bei Makroaufnahmen brauchst du viel Licht. Dies hast du dann.

Wechselhaftes Wetter und Wolken

Fotografie-Neueinsteiger glauben oft, dass das beste Wetter um zu fotografieren heiterer Sonnenschein ist. Dies trügt jedoch, da ein stahlblauer, wolkenloser Himmel enorm langweilig wirkt. Ganz anders sieht es aus, wenn der Himmel voller Wolken hängt und ab und an die Sonne durchblitzt. Dann gibt es ein spannendes Lichtspiel am Himmel und das Firmament wird zu einem echten Hingucker.

Insel vor Küste, blauer Himmel - Fotolicht
Ein weiches gleichmässiges Licht – ein Wölkchen gäbe einen zusätzlichen Hingucker / by Stefan Tschumi

Ebenso kann ein komplett von Wolken verdeckter Himmel Vorteile bieten. Die Wolken wirken wie riesige Softboxen und sorgen dafür, dass das Licht weich zur Erde fällt. Dadurch musst du dich nicht mit harten Schatten herumschlagen und hast generell keine Probleme mit einem zu grossen Kontrastumfang.

Meer, Küste, wolkenverhangener Himmel - beste Tageszeit für Fotos
Mitunter die Wolken machen dieses Bild so interessant / by Stefan Tschumi

Hilfreiche Sprichwörter

Verschiedene Lichtsituationen erfordern verschiedene Einstellungen der Kamera. Dies kann am Anfang überfordern. Dabei können Sprichwörter eine willkommene Hilfestellung bieten. Beispielsweise: “Wenn die Sonne lacht, Blende Acht.“ Dies heisst, dass du bei Sonnenlicht mindestens auf Blende Acht abblenden solltest. Ansonsten dringt zu viel Licht in die Kamera ein und das Bild wird überbelichtet. Natürlich funktionieren auch Blendenwerte von 11, 16 oder gar 22. Ausprobieren ist hier angesagt.
Ein Sprichwort, welches ich mir mehr als jedes andere zu Herzen genommen habe lautet: “Ist das Bild nicht wirklich top, hilft Dir auch kein Photoshop.“ Investiere daher lieber mehr Zeit in der Aufnahmesituation, als später in der Bildbearbeitung.
Ich gebe auch anbei noch drei Zitate mit:

„Für Mensch und Tier nimm Blende Vier“

„Unterm Knie – schneide nie!“

„Die Blende auf drei – der Hintergrund ist Brei!“

„Vordergrund macht Bild gesund.“

Es gibt unzählige weitere Sprichwörter zur Fotografie. Freund-Google hilft da sicherlich gerne bei der Suche 😉

Finde deinen Stil

Wenn du dich in Fotografenkreisen umhörst, wirst du feststellen, dass so gut wie jeder eine andere Lichtvorliebe hat. Der eine mag es, wenn die Sonne durch eine dicke Wolkendecke verdeckt bleibt.

Sonnenstrahlen dringen durch Wolken auf Hügellandschaft
Spannendes Licht auch bei nicht perfektem Wetter / by Stefan Tschumi

Ein anderer schätzt das Wechselspiel aus Sonne und Wolken. Womöglich liebt ein anderer, wenn die Sonne brennt. Es gibt auch Fotografen, die am liebsten in der Nacht fotografieren. Deshalb rate ich dir einfach einmal alle Lichtsituationen auszuprobieren und dadurch herauszufinden, welches Licht dir am ehesten liegt und die grösste Freude bereitet. Versuche zudem unbedingt während der Blauen und der Goldenen Stunde zu fotografieren. Es lohnt sich.


Stefan Tschumi – Fotoexperte auf comewithus2

Der 30-jährige Kreuzlinger hat am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaften, ZHAW in Winterthur Journalismus- und Organisationskommunikation studiert und hat dabei im Jahre 2011 das erste Mal den Auslöser einer Spiegelreflexkamera gedrückt. Seit da lässt ihn die Faszination für Bilder nicht mehr los. Zur Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren auch die Videoproduktion hinzugesellt und aus dem Hobby wurde ein Beruf.

Als Kursleiter Fotografie und Video teilt Stefan sein Wissen bei der Klubschule Migros und arbeitet als Eishockey-Reporter, Eishockey-Guide und Produktionsassistent beim Schweizer Radio und Fernsehen.

Neben der Fotografie ist das Reisen die andere grosse Passion – etwas, das Stefan mit comewithus2 teilt.

Mehr über Stefan Tschumi gibt es auf Instagram: stefantschumi
Auf 500px: 500px.com/stefantschumi
Oder auf seiner Homepage: tschumimedia.com

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2 Kommentare zu “Die richtige Tageszeit für Fotos

  1. Ich reise mit Leidenschaft und fotografiere unheimlich gern, wenn ich unterwegs bin. Dennoch muss ich noch viel über die Fotografie hinzu lernen. Wenn ich mir die Bilder nach dem Trip noch einmal anschaue, stelle ich immer wieder fest, dass die besten Fotos früh am Morgen oder um Sonnenuntergang entstanden sind. Es ist wahr! Ich präge mir das Sprichwort nun ein: „Von elf bis drei hat der Fotograf frei“.

    Viele Grüße,
    Stefanie

    1. Liebe Stefanie
      Zum Reisen gehört für uns die Leidenschaft zur Fotografie ebenfalls dazu – nach dem Erlebten nochmals mit den Fotos an die schönsten Orte zu reisen, macht irre Spass. Aber du hast schon recht, für richtig gute Fotos muss der Mensch hinter der Kamera viel können. Schön, wenn dir unser Experte Stefan Tschumi da mit seinem Sprichwort auf deiner Fotografie-Laufbahn etwas mitgeben konnte.
      Herzliche Grüsse
      dein comewithus2-Team

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