Vom Smartphone bis zur Spiegelreflexkamera – wer passt zu mir?

Zwei Kameras im Vergleich, fotografiert auf Steinen
Nikon D5100 und Sony Alpha 7RII

Unser Foto-Profi Stefan Tschumi erklärt dir heute, welche Kamera für wen am besten geeignet ist:

Wenn du ein fotoenthusiastischer Weltenbummler bist, kennst du das Problem: Nach stundenlangem Herumreisen erblickt dein Auge eine atemberaubende Landschaft. Das warme Licht der Goldenen Stunde lässt die Szenerie malerisch erscheinen. Dieser Moment will festgehalten werden. Da auf schweres Gepäck und dementsprechend auch auf die Spiegelreflex-Kamera verzichtet wurde, zückst du das iPhone und drückst ab, respektive, berührst das Display. Glücklich ziehst du danach weiter. Die Enttäuschung folgt aber bei der Durchsicht der Fotos.

Das mit dem Smartphone aufgenommene Foto ist nicht wie du es dir vorgestellt hast. Die dunklen Bereiche des Bildes gehen komplett unter, wirken gar rein schwarz. Das Bild entfaltet dadurch kaum Wirkung und vermag nicht zu gefallen. Dies ist schade, denn wer weiss, wann eine solch perfekte Fotogelegenheit wiederkommt? Wenn du die Reise deines Lebens unternimmst, solltest du dich deshalb im Vorfeld mit dem Thema Kamera auseinandersetzen.

Smartphone: Der stetige Begleiter

Die einzige Kamera die so gut wie immer dabei ist und deshalb zu einem wichtigen Arbeitsutensil eines jeden Reisenden wurde, ist die Smartphone-Kamera. Bei guten Lichtverhältnissen liefern iPhone, Galaxy und Co. passable bis sehr gute Bilder. Je nach Modell. Besonders das iPhone 7 Plus gilt als Game-Changer der Smartphone-Fotografie. Auch ich setze das iPhone immer mal wieder ein. Vor allem, wenn es sich nur um Erinnerungsschnappschüsse handelt. Persönlich nutze ich nur selten die vorinstallierte Kamera-App. Mein Go-To-Tool ist die App ProCam, welche es mir erlaubt, Fotos in RAW zu schiessen und die komplette Kontrolle über ISO und Belichtungszeit zu übernehmen.

iPhone in den Händen mit Blick auf See & App auf Display
ProCam App auf iPhone 7 Plus

Spätestens jedoch, wenn ich Fotos bei Dämmerung oder gar in der Nacht mache, bereiten mir die Smartphone-Kameras bis dato wenig Freude. Durch die kleinen Sensoren rauschen die Bilder trotz einer Blende von 1.8 teilweise enorm. Bei Situationen mit hohem Dynamikumfang können die mobilen Geräte trotz HDR Funktion nicht richtig überzeugen und sobald ich künstlerisch mit Langzeitbelichtungen und Unschärfe arbeite, bleiben die Smartphones auf der Strecke. Deshalb greifen viele ambitionierte Fotografen zu Spiegelreflex-Kameras, so genannten DSLR.

DSLR: Das schwere Foto-Monster

Wer einmal mit einer Spiegelreflex fotografiert hat, wird die Smartphone-Fotografie belächeln. Die Qualität ist von einem anderen Stern. Ein Smartphone reicht da nicht hin. Zumindest noch nicht. Mit einer DSLR kann der Fotograf sein kreatives Potenzial ausnutzen. In der Nacht sowie auch bei gewissen Situationen am Tag setze ich die Technik der Langzeitbelichtung ein. Dadurch vermag ich die schönsten Landschaften dieser Welt selbst bei kompletter Dunkelheit einzufangen. Am Tag entstehen mit dieser Technik Wolkenzieher und Gewässer werden weichgezeichnet. Es sind malerische Bilder, welche so mit einem Smartphone nicht zu realisieren sind.

Um aber für jede Situation gewappnet zu sein, muss ich einige Kilogramm an Equipment mit mir herumschleppen. Allen voran den schweren und grossen Kamerabody. Dazu kommen verschiedene Objektive, vom Weitwinkel bis zum Tele, sowie genug ND- und Polfilter. Ebenso benötige ich ein Stativ. Ohne dieses sind keine Langzeitbelichtungen möglich. Zwar könnte ich den ISO-Wert der Kamera in astronomische Höhen schrauben und dann mit meiner Sony Alpha 7SII in der Nacht aus der Hand fotografieren. Dann bin ich aber nicht viel weiter als mit meinem Smartphone und die Bilder rauschen ebenfalls stark.
Um ehrlich zu sein, werde ich aber diese Ausrüstung kaum auf Touren mitnehmen, welche mehrere Stunden dauern. Nicht mehr auf jeden Fall, denn ich benutze eine Kompromisslösung.

Kamera seitlich fotografiert mit Blick auf Objektiv
Nikon D5100 mit 35 mm Objektiv

Systemkameras: Der perfekte Begleiter

Systemkameras werden jene Modelle genannt, welche einen Wechsel von Objektiven ermöglichen, im Unterschied zu Spiegelreflex-Kameras aber, über keinen mechanischen Spiegel verfügen. Zudem ist bei diesen Modellen kein optischer, sondern ein digitaler Sucher vorhanden. Dies bietet mehrere Vorteile. Zum einen siehst du durch den digitalen Sucher gleich die Veränderung des Bildes während du die Einstellung von Blendenöffnung, Belichtungszeit und ISO vornimmst. Zudem unterstützen Systemkameras, auch DSLM genannt, den Fotografen bei der Fokussierung. Durch Peaking, oder auch Kantenabhebung, wird im Sucher und auf dem Display auf der Rückseite die Position der Schärfe durch kleine farbige Punkte angezeigt. Dies vereinfacht die manuelle Fokussierung enorm und beschleunigt den Prozess der Fotoaufnahme. Kleiner Wehrmutstropfen: Für unscharfe Bilder bist du dann vollumfänglich verantwortlich, da gibt es keine Ausreden mehr 😉

Der grösste Vorteil aus meiner Sicht liegt aber im geringen Gewicht und der kleineren Grösse dieser Kameras. Selbst mit einer DSLM Kamera mit Vollformat-Sensor erhalte ich das kleinere Gesamtpaket als bei einer DSLR mit APS-C Sensor. Die Bildqualität von DSLMs ist heute auf dem Niveau von Spiegelreflexkameras. Deshalb sind sie für mich nicht nur bei professionellen Fotoaufträgen die erste Wahl, sondern auch auf Reisen.

Persönlich benutze ich die Sony Alpha 7RII und die Sony Alpha 7SII. Andere Hersteller, wie zum Beispiel Fuji, Olympus und Panasonic, produzieren ebenfalls erstklassige spiegellose Systemkameras. Die Auswahl ist dementsprechend gross.

Kamera Sony Alpha 7RII auf Steinen
Sony Alpha 7RII: eine Systemkamera

Reisen und fotografieren

Du musst für dich entscheiden, zu welcher Art von Kamera du greifen möchtest. Es gibt nicht die eine perfekte Kamera. Wenn du nur bei guten Lichtverhältnissen fotografierst, keine hochaufgelösten Bilder für den Druck benötigst und zudem kein Equipment mit dir herumschleppen möchtest, wirst du mit dem Smartphone glücklich werden. Kommt hinzu, dass das Smartphone die gesamten Einstellungen automatisch vornimmt.

Bei DSLRs und DSLMs solltest du manuell oder zumindest in den Halbautomatiken fotografieren können, ansonsten verschenkst du zu viel Potential der Kamera. Im Automatik-Modus schiessen DSLRs und DSLMs passable Fotos, Kunstwerke kannst du so aber nur mit Glück erstellen.

Kamera hin oder her, am Ende steht immer der Spass am Reisen und an der Fotografie im Vordergrund. Nutze das Equipment welches dir zur Verfügung steht und geniess es Fotos zu schiessen.

Welche Kamera begleitet dich auf Reisen? Oder hast du sonstige Fragen zur Fotografie? Schreib es in den Kommentaren.


Stefan Tschumi – Fotoexperte auf comewithus2

Der 30-jährige Kreuzlinger hat am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaften, ZHAW in Winterthur Journalismus- und Organisationskommunikation studiert und hat dabei im Jahre 2011 das erste Mal den Auslöser einer Spiegelreflexkamera gedrückt. Seit da lässt ihn die Faszination für Bilder nicht mehr los. Zur Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren auch die Videoproduktion hinzugesellt und aus dem Hobby wurde ein Beruf.

Als Kursleiter Fotografie und Video teilt Stefan sein Wissen bei der Klubschule Migros und arbeitet als Eishockey-Reporter, Eishockey-Guide und Produktionsassistent beim Schweizer Radio und Fernsehen.

Neben der Fotografie ist das Reisen die andere grosse Passion – etwas, das Stefan mit comewithus2 teilt.

Mehr über Stefan Tschumi gibt es auf Instagram: stefantschumi
Auf 500px: 500px.com/stefantschumi
Oder auf seiner Homepage: tschumimedia.com

 

 

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5 Kommentare zu “Fotokameras – Die speziellen Reisebegleiter

  1. Ein interessanter Beitrag! 🙂
    Ich habe bisher immer mein Habdy benutzt, mir aber jetzt eine Systemkamera gekauft. Ich freu mich schon, sie im kommenden Urlaub nutzen zu können 🙂

    Liebe Grüße,

    Giulie

    1. Hallo Giulie
      Danke für deine Worte. Die Handys sind ja auch unschlagbar in der Grösse, nur die Qualität ist mit Systemkameras halt schon nochmal was ganz anderes.
      Herzliche Grüsse
      Steffi

  2. Ich habe hin und wieder darüber nachgedacht eine Spiegelreflexkamera zu kaufen, aber ich verwerfe den Gedanken recht schnell wieder. Leider ist mir das zu teuer und auch auch zu unpraktisch. Natürlich sind Photos mit einem Handy keineswegs mit Photos aus einer DSLR Kamera zu vergleichen, aber mein Handy habe ich immer dabei und ist zudem noch viel leichter. Derzeit reicht mir daher das Handy und ich bearbeite die Bilder dann noch etwas. Ich passe halt nur auf bei zu wenig Licht und baue dann meine Tageslichtlampen zur Not auf.

    liebe Grüße
    Josy von https://dasfraeuleinwunder.de

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