Lisa ist die Wohnung im „Steinhaus“ leid

Auf der ganzen Welt sind Reisende, wie wir, mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Sie suchen sich ihren Weg durch steiles Gelände, dem Strand entlang oder durch Grossstädte. Sie stossen an ihre Grenzen, erleben atemberaubendes und lernen dabei fürs Leben. In unserer Serie „Mit meinem Bett in…“ stellen wir dir immer Sonntags verschiedene Reisenomaden vor. Im 21. Teil lassen wir heute Lisa aus dem Frankenland zu Wort kommen.

Persönlich 

Mein „Abenteuer“ heisst: Leben im Wohnmobil. Mit 27 Jahren habe ich mir ein altes Wohnmobil gekauft und ein gutes Jahr später bin ich darin eingezogen und habe ein Jahr lang in der Türkei darin gelebt. Neben der Türkei selbst war natürlich die Strecke dorthin und zurück in den beiden letzten Sommern absolute Highlights!

Jetzt, zweieinhalb Jahre nachdem mich das WoMo-Fieber gepackt hat, lebe ich in meinem neu erstandenen, gebrauchten Kastenwagen, nicht weit weg von meiner Heimat, dem schönen Frankenland. Anders als andere, reise ich momentan nicht allzu viel, da ich einen ortsgebundenen Arbeitsplatz habe. Mithilfe dessen schaffe ich es hoffentlich, mir eines Tages ein brauchbares passives Einkommen auszubauen und vielleicht sogar in ein von mir selbst ausgebautes LKW-Offroad-WoMo umziehen zu können. Ob ich das schaffe, aber auch meine bisherigen Reisen (noch ohne WoMo, dann mit WoMo in die Türkei, in der Türkei, von der Türkei wieder nach Deutschland und so weiter) könnt ihr auf meinem Blog nachlesen und verfolgen: vichylisa.wordpress.com Ihr findet mich aber auch auf Facebook: www.facebook.com/caravanci oder auf der neuen Plattform Steemit: https://steemit.com/@caravanci

Warum lebe ich so wie ich lebe? Minimalismus ist ein grosses Thema für mich, ausserdem war ich Mietwohnungen irgendwann leid (ausführlich erklärt in einem meiner Artikel auf Steemit) und so bleibt nunmal viel mehr Geld übrig, mir meine Träume bzw. Pläne zu erfüllen.


Das Fahrzeug

Mein KaWa (Kastenwagen) und ich sind gerade noch in der Kennenlernphase, da ich es erst seit Ende August 2017 besitze. Etwas enger als mein WoMo, dafür aber mit Festbett und sogar der Möglichkeit, meinen Roller im Kasten zu transportieren, bin ich mittlerweile viel schneller und komfortabler unterwegs als je zuvor.

Lisa und ihr Kastenwagen
Lisa ist seit kurzem mit einem Kastenwagen unterwegs.

Es ist ein Fiat Ducato Multijet 130 mit Trigano/ Kyros2 Prestige Aufbau. Zuallererst hat es von mir in Eigenregie mit meinem Bruder eine ordentliche 300W Solaranlage bekommen, da ich am liebsten autark und selten auf Campingplätzen stehe. Genial ist ausserdem die Webasto-Dieselheizung, da ich mir nun viel weniger Gedanken um die Gasversorgung machen muss, was im kalten Deutschland wirklich viel wert ist!


Lisa, du hast von uns den bekannten „Mit meinem Bett in…“- Fragebogen erhalten, wo beantwortest du die Fragen?
Da es hier in Deutschland schon relativ kühl ist, in meinem Kastenwagen, ein paar Kilometer von meinem Arbeitsplatz entfernt.

Warum hast du dich genau für diesen Ort entschieden?
Aufgrund der Nähe zum Arbeitsplatz, den ich täglich schnell mit meinem Roller erreichen kann. Und da ich hier quasi wild stehe, kann ich leider nicht Tisch und  Campingstuhl rausstellen, sonst würde ich jetzt lieber an der frischen Luft sitzen…

War die letzte Nacht ruhig oder hörst du wie wir derzeit oft die Hunde bellen?
Man hört den einen oder anderen Zug vorbeifahren. Wilde Hunde oder laute Zirpen wären mir allerdings lieber, denn das würde bedeuten, dass ich in einem wärmeren Land stehen würde…

Wie würdest du das Innere deines Reisemobils beschreiben, ist es dein Zuhause, das Wohnzimmer oder alles in einem?
Definitiv mein Zuhause. Es hat alles, was man braucht, sieht schick aus und ich bin einfach gerne darin, genauso gerne aber auch draussen unterwegs.

Im Kastenwagen Bett
Für Lisa ist ihr Kastenwagen mehr als nur ein rollendes Zuhause.

Die Küche steht im Reisemobil meist oft nicht weit vom Wohnzimmer entfernt, verrätst du uns dein Lieblings-Camper-Rezept?
Die Küche ist bei mir vor allem nicht nur auf die Küchenzeile beschränkt – Gewürze, Vorräte, Geschirr, Omnia usw. belagern tatsächlich einen Grossteil meines Kastenwagens! Wenn ich Zeit habe, koche ich mir Spaghetti mit Hack-Gemüse-Sosse. Zwiebeln, Gemüse nach Geschmack andünsten, definitiv ordentlich Knoblauch mit rein (naja, bei mir nur an den „Knoblauchtagen“ also immer freitags und samstags…, passierte Tomaten und Gewürze dazu, fertig. Genaueres erfahrt ihr bald auf meinem Blog.

Kochst du oft selbst?
So oft es geht. Gesunde Ernährung ist mir sehr wichtig und nur wenn ich selbst koche, weiss ich, was drin ist.

Wohnzimmer, Küche, Bad, alles auf wenigen Quadratmetern, warum reist du gerade mit dem Camper durch die Welt und nicht mit dem Flugzeug?
Es ist praktisch. Ich habe immer alles dabei, was ich brauche und fühle mich immer Zuhause. Seit ich im Camper lebe, mag ich Packen gar nicht mehr!

Solar auf dem Dach
Als erstes montierte Lisa zusammen mit ihrem Bruder eine starke Solaranlage aufs Dach ihres Kastenwagens.

Camping wird oft auch mit Romantik in Verbindung gebracht, was waren bis anhin deine schönsten Erlebnisse „on the road“?
Romantik on the road… Ach, ich finde, es sind die kleinen Momente, die es oft ausmachen. Dem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen fahren, traumhafte Ausblicke auf Berg, Tal, aufs Meer und wenn man an so einem tollen Ort mit so schönen Ausblicken noch stehen und einfach nur den Moment geniessen darf, ist das einfach nur unbeschreiblich schön. Oder auch einfach aufwachen und aus dem Fenster traumhafte Ausblicke geniessen… wenn noch ein lieber Mensch und vielleicht Wasserpfeife oder gutes Essen dabei sind, was gibt’s denn besseres?

Freud und Leid liegen oft nahe beieinander, wo liegen die Probleme wenn man mit dem Camper unterwegs ist und bist du schon einmal stehen geblieben?
Je nach Region ist es schwierig, einen Platz zum Freistehen zu finden. Wenn es stürmt, ist es auch alles andere als angenehm, wenn das ganze Fahrzeug durchgeschüttelt wird… Und nach einem kleinen Blechschaden auf Thassos habe ich wirklich sehr grossen Respekt vor engen Gassen!

Mit ihrem alten „WoMo“ hatte Lisa an der Grenze zu Albanien grosse Probleme.

Stehen geblieben bin ich mit dem KaWa noch nicht, aber meinem WoMo hat letzten Sommer das Stop-and-Go an der Grenze nach Albanien nicht gefallen, so dass es streikte, als wir dran waren (mein Bruder hatte mich auf dieser Reise begleitet) und über die Grenze geschoben werden musste. Sofort waren viele hilfsbereite Albaner da, der ADAC wurde gerufen (dann aber doch nicht gebraucht), und nach einigem Rumschrauben ist das WoMo wieder angesprungen, als wäre nie was gewesen.

In der Türkei wurden wir mal angehalten von einem Mechaniker, der gesehen hatte, dass es ein Problem mit einem Rad gibt – er hat es uns sofort auf einem Parkplatz repariert… unglaublich sowas, aber Wunder gibt’s ja immer wieder.

Als Camper ist man immer auf der Suche nach der schönsten Route, von welcher Strecke schwärmst du bei jeder Camper-Unterhaltung?
Die Albanische Küstenstrasse von Butrint bis Vlora. Man sollte definitiv die alte, einmalige Fähre in Butrint gefahren sein und einen Halt entlang dieser wunderbar schlängeligen Strasse mit den Bergen auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite gemacht haben. Und zwar in Himare. So kristallkares, unglaublich schönes türkises Wasser und so ein toller Strand mit relativ feinem Kies (kein Sand, der an einem klebt)… einfach nur ein TRAUM! Ausserdem nicht so überlaufen wie viele der anderen Mittelmeerrouten an der Küste.

Fähre Butrint Albanien
Lisa schwärmt von der legendären Fähre bei Butrint in Albanien.

Fährst du nach Karte oder mit einem Navigationssystem (mit welchen)?
Karte ist für den Notfall immer an Board und Offline Karte auf dem Handy. Normalerweise habe ich aber immer ein normales Navi mit entsprechendem Kartenmaterial an Bord.

Wann und wo hast du dich das letzte Mal so richtig verfahren?
Auf Thassos bin ich zum zweiten Mal den engen Gassen zum Opfer gefallen. Meine Freundin und Beifahrerin, die mich zeitweise begleitete, stieg aus und fragte Passanten nach dem besten Weg. Wir sind heil wieder rausgekommen.

Auf welche Apps kannst du als Reisende nicht mehr verzichten?
Eine grosse Hilfe sind immer park4night, in die ich auch regelmässig tolle Spots einstelle sowie MAPS.ME, wo man Karten für die Offline-Nutzung und Navigation herunterladen kann. Ausserdem die Geocaching App, die ich jedem Reiseführer vorziehe, da man damit wirklich schöne und auch nicht allzu touristische Orte entdeckt.

Geocaching
Als Geocacherin findet Lisa immer wieder abgelegene Orte auf ihren Reisen.

Blogs, Facebook, Reiseführer: Wie informierst du dich über dein nächstes Reiseziel?
Reiseführer nicht, Facebook nur als Wegweiser auf entsprechende Blogs. Oder einfach Google, was mich wiederum auch auf immer neue interessante Blogs führt.

Folgst du auch mal den Touristen-Routen oder meidest du Sehenswürdigkeiten und Touristenhochburgen konsequent?
Je nach Interesse stehen auch mal absolute Touri-Ziele auf dem Programm. Dann versuche ich aber, nicht zur Hauptsaison dort zu sein. Grundsätzlich bin ich lieber abseits des Massentourismus unterwegs.

Strand in Albanien
Lisa schwärmt von den Stränden in Albanien – was wir sehr gut verstehen können.

Wie löst du das bekannte Internet-Problem, hast du eine SIM-Karte oder gar einen Satelliten?
Wenn ich mich länger in einem Land aufhalte, kaufe ich mir eine SIM-Karte vor Ort, wenn möglich. Ansonsten kommt man für kürzere Zeit mit dem neuen EU-Roaming auch ganz gut aus. Und in manchen Ländern (von denen man es nicht denken würde, etwa Albanien) gibt es sogar in Baumärkten freies WiFi! Man braucht bei guter Vorbereitung auch nicht ständig und überall Internet, wenn man auf Reisen ist.

Bei uns läuft während der Fahrt immer laute Musik, bei dir auch oder singst du lieber selbst?
Auch so ein Vorteil meines Kastenwagens: brauchbare Lautsprecher. Gerne laute Musik und definitiv mitsingen (aber nur wenn ich alleine unterwegs bin 😀 ).

Wo übernachtest du lieber: Auf dem Campingplatz oder an einem wilden Ort in der Natur?
Immer letzteres. Campingplätze fahre ich meist nur aus V+E-Gründen an oder wenn es wirklich unmöglich ist, einen passablen Freisteh-Platz zu finden. 20€ pro Nacht entsprechen schließlich ~200 Kilometer Fahrt!

Wie lange kannst du mit deinem Reisemobil autark stehen? Und wer produziert in dieser Zeit deinen Strom?
Begrenzend ist meistens die Toilette – die ich übrigens noch auf Trockentoilette umrüsten will! Danach wird der Wassertank oder Kühlschrankinhalt begrenzend sein. Denn Strom habe ich genug, dank ordentlich Solar auf dem Dach 🙂 Also momentan ein paar Tage bis maximal eine Woche.

Apropos Sicherheit, wie sicherst du dich während der Nacht? Hattest du gar schon einmal Angst?
Angst ja, aber häufiger aufgrund von Sturm als wegen seltsamer Gestalten. Bei meinem ersten Mal Wildstehen in Istrien dachte ich, jemanden gehört zu haben, der versucht hat, meine Fahrertür zu öffnen, worauf ich erstmal mit Schreckstarre reagiert habe. Als ich mich wieder regte und raus schaute, war aber weit und breit niemand zu sehen. Für meinen Kastenwagen muss ich mir noch etwas überlegen. Ein „Achtung Hund!“ Aufkleber kommt definitiv, evtl. auch weitere Utensilien, die auf einen (Wach-) Hund schliessen lassen. Ansonsten achte ich darauf, dass man nirgends reinschauen kann, wenn ich nicht da bin.

Im Camper von Lisa
Mit ihrem Camper kann Lisa bis zu einer Woche freistehen.

Zur schönsten Strecke gehört auch der schönste Stellplatz, wo liegt dieser für dich und warum?
Für mich auf einem Picknickplatz in der Türkei. Blick auf quietsch-türkises Wasser, zwischen harzig-riechenden Nadelbäumen, an denen ich auch noch meine Hängematte befestigen kann – was will man mehr? Zu finden nahe Didim (in der wundervollen Türkei), ein Geocache hat mich dorthin gelockt.

Welche Strecke möchtest du mit deinem Camper unbedingt einmal fahren, hast es aber bist jetzt noch nicht geschafft?
Rauf nach Skandinavien, den Polartag erleben oder die Polarnacht und/oder Polarlichter mit eigenen Augen sehen, sowie die atemberaubende Landschaft dort oben… Ansonsten grundsätzlich lieber in wärmere Gefilde, vor allem die Türkei hat auch noch sooo viel zu bieten, aber auch die Ardèche in Frankreich steht schon länger auf dem Plan.

Was ist entscheidend, ob du eine oder gleich mehrere Nächte an einem Ort bleibst?
Erstmal muss der Ort bzw. die Umgebung schön und interessant sein. Dann stellen sich Fragen wie: Habe ich genug Zeit, um länger zu bleiben? Ist dieser Ort nur eine „Schlafstation“?  Am allerwichtigsten: Fühle ich mich hier wohl?

Fussballmatchs, Konzerte, oder den Backofen: Was vermisst du am meisten von Zuhause wenn du „on the road“ bist
Dass man nie alle Lieben einpacken kann. Meine Liebsten: Bruder, Eltern, Katze, Freunde!!

Kochen im Van
Gesunde Ernährung ist Lisa sehr wichtig, daher kocht die Abenteurerin sehr oft selbst im Van.

Hand aufs Herz, wie oft schaust du unterwegs Filme oder Serien online an? Hast du einen Fernseher dabei oder dient der Laptop auch dafür?
Fernseher hatte ich in meiner letzten Steinhaus-Wohnung schon nicht und möchte ich auch nicht mehr. Filme wenn dann nur im Kino, gerne auch Original vertont. Da das Internetvolumen begrenzt ist, bin ich sehr bewusst mit dem Anschauen von Videos o.Ä. Zuletzt sehe ich mir meistens Videos von Online-Kongressen an, die mich wirklich sehr interessieren.

Damit auch der nächste Tank wieder gefüllt ist, braucht es Geld, womit finanzierst du deine Reise, lebst du dauerhaft im Camper?
Reisen habe ich immer von Gespartem finanziert. Derzeit heisst es wieder „Geld verdienen und sparen“.

Apropos Tank, wie viel hast du für die letzte Füllung bezahlt? (Literpreis/Land)
1,10€/ Liter Diesel, war fast leer 90€

Wohin geht deine Reise in den kommenden Monaten? Wie sieht deine Route aus?
Reisen mit dem Kastenwagen bestenfalls in der näheren Umgebung. Hin und wieder werde ich den KaWa am Flughafen abstellen, um mit dem Flugzeug für ein paar Tage in die Türkei zu fliegen und liebgewonnene Freunde aus meinem 1,5 jährigen Aufenthalt dort zu treffen. Spätestens nächsten Sommer werde ich aber wieder für einige Wochen in Europa unterwegs sein.

Mit meinem Bett in: Phil und Caro im Interview

Wo siehst du dich in 5 Jahren? Bist du dann immernoch „on the road“ oder vielleicht doch wieder sesshaft?
Ich sehe mich weiterhin mobil lebend, definitiv nicht im Steinhaus. Vielleicht on the Road während eines Sabbat- oder Freistellungsjahres, in dem mir bestimmt wieder neue „Flausen“ in den Kopf kommen. Die Welt ist schliesslich da, um sie zu entdecken!

Wir danken Lisa für das spannende Interview und wünschen eine gute Weiterreise und stets genug Sprit im Tank. Die nächste Folge „Mit meinem Bett in…“ folgt am kommenden Sonntag mit Mandy vom Blog: www.movingroovin.de

Teile den Artikel mit deinen Freunden

Ein Kommentar zu “Mit meinem Bett in: Lisa im Inteview

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.