Sabine und Andy: Zurück in Südamerika und bereit für das nächste grosse Abenteur

Auf der ganzen Welt sind Reisende, wie wir, mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Sie suchen sich ihren Weg durch steiles Gelände, dem Strand entlang oder durch Grossstädte. Sie stossen an ihre Grenzen, erleben atemberaubendes und lernen dabei fürs Leben. In unserer Serie „Mit meinem Bett in…“ stellen wir dir in den kommenden Wochen immer Sonntags verschiedene Reisenomaden vor. Im neunten Teil lassen wir heute Sabine und Andy zu Wort kommen.

Persönlich

Sabine und Andy
Sabine und Andy sind nach einem Abstecher zurück in Südamerika.

Hallo, wir sind Sabine und Andy aus Baden in der Schweiz. Wir waren 26 Monate (2014 – 2016) mit unserem LandCruiser auf – und getreu unserem Slogan off the maps – neben der Panamericana unterwegs. Danach haben wir unser Fahrzeug für 9 Monate in Uruguay abgestellt und sind nach Asien weitergezogen. Dort sind wir in die Welt der digitalen Nomaden eingetaucht. Seit einigen Tagen sind wir zurück in Südamerika. Wir wollen wir nun beides verbinden – unsere Online Arbeit und das Unterwegssein mit Reisefahrzeug.

Auf unserer Website: www.off-the-maps.ch lässt sich unsere Zeit in den Amerikas 1:1 nacherleben.

Unseren Blog: www.travel-offthemaps.com haben wir erst vor ein paar Monaten begonnen. Themenschwerpunkte sind das Reisen mit Fahrzeug, ortsunabhängiges Arbeiten, Fotografieren, alles Schöne und Outdoor-Themen. Kurz alles, das uns interessiert.


Das Fahrzeug 

Zora vor einem Vulkan
Der Toyota LandCruiser HZJ75 von Sabine und Andy hört auf den Namen „Zora“.

Wir haben uns schon seeehr lange, bevor wir losgefahren sind mit Reisefahrzeugen befasst. Haben unzählige Bücher und Reisewebsites verschlungen. Bald wussten wir, was wir für ein Fahrzeug wollen: einen Toyota LandCruiser HZJ75, auch Buschtaxi genannt. Die Vorteile sind unter anderem, dass so gut wie keine Elektronik verbaut ist, dass die Ersatzteile weltweit relativ gut zu bekommen sind und der Motor extrem langlebig ist. Leider sind die Fahrzeuge extrem gesucht.  Als wir genügend Geld beisammen hatten, machten wir uns darauf gefasst lange suchen zu müssen. Doch dem war nicht so. Wir fanden unsere „Zora“ sehr schnell.

Beim Fahrzeugausbau haben wir uns dann viel Zeit gelassen – innerhalb zwei Jahren entstand ein Reisefahrzeug nach unseren Vorstellungen. Ausser Stossstange und Zusatztank haben wir alles selber gemacht.

Zora im Detail
90 Liter Wassertank mit Wasserfilter
Kühlschublade 35 Liter
200 Watt – Solarpanels
Zusatz-Dieseltank 180 Liter
Damit können wir bis 10 Tage lang autark sein.

Wir lieben unsere „Zora“, ist sie doch schon über 2 Jahre unser kleines, feines Zuhause! Sie hat uns sicher durch alle möglichen Landschaften, auf über 4700 Meter hoch, durch 19 Länder und fast 100’000 Kilometer weit gebracht!

Wir hatten in dieser Zeit lediglich einen defekten Bremszylinder, 2 gebrochene Blattfedern und 2 Platten.

Fahrzeug gibt es unserer Meinung nach kein besseres. Platztechnisch sind wir natürlich eingeschränkt und wir wünschen uns manchmal etwas mehr Raum. Wir kochen und leben so gut wie immer draussen –  bei schlechtem Wetter ist das teils ungemütlich. Und ob der Platz zum Arbeiten ausreicht? Wir werden sehen.


Ihr habt von uns einen Fragebogen erhalten, wo beantwortet ihr die Fragen?
In Uruguay. Zwischen Montevideo und Punta del Este auf einem schönen Campingplatz direkt am Meer. Hier stand unser Fahrzeug neun Monate lang und hier bereiten wir den Einstieg in unser neues Projekt, als digitale Nomaden in Südamerika unterwegs, vor. Es sind entspannte Tage mit viel Sonnenschein, langen Strandspaziergängen und etwas arbeiten. Bald wollen wir aber weiter, uns zieht es on the road, wir möchten unterwegs sein..

Habt ihr auch genug gutes Internet um uns deine Antworten zurückzusenden?
Ja. Das gute Internet ist einer der Gründe, wieso wir schon länger hier sind.

Wir alle benötigen heute am liebsten 24-Stunden Internet, wie löst ihr auf Reisen dieses Problem?
Als wir zwei Jahre nur gereist sind, diente das Internet vor allem dazu, mit unseren Liebsten in Kontakt zu sein und Reiseberichte zu veröffentlichen. Die schönsten Orte fanden wir jedoch meist abseits von Wifi und wir genossen es, offline zu sein. Jetzt, wo wir online arbeiten, brauchen wir Internet um Geld zu verdienen. Stabiles Internet ist in Südamerika aber leider nicht überall zu finden und eine der Schwierigkeiten unseres momentanen Vorhabens… Wir haben vorgesorgt, indem wir uns einen Verstärker gekauft haben und wir planen Campingplätze mit Internet anzusteuern. Je nach Land sind Sim-Karten eine Option und wir können uns auch vorstellen, Housesitting zu machen, oder über Airbnb mal ein Haus zu mieten.

Ist euer Reisemobil eine Internetfreie-Zone oder wird auch da gesurft?
Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind recht fliessend… Doch momentan stimmt das für uns so, vielleicht ändert sich das auch mal wieder.

Zora von innen
So sieht die rote „Zora“ innen aus.

Wie würdet ihr das Innere deines Reisemobils beschreiben, ist es euer Zuhause, das Wohnzimmer, oder alles in einem?
Mit Zora waren wir über zwei Jahre unterwegs, sie ist ganz klar unser Zuhause. Als wir kürzlich wieder eingezogen sind, fühlten wir uns sogleich wieder sehr wohl.

Die Küche steht im Reisemobil meist oft nicht weit vom Wohnzimmer entfernt, verrät ihr uns euer Lieblings-Camper-Rezept?
Da gibt es einige! Wir kochen leidenschaftlich gerne. Einen Artikel dazu, haben wir auf unserem Blog verfasst: http://travel-offthemaps.com/outdoor-kueche-unsere-17-tippstricks/

Kocht Ihr oft selbst?
Ja, so gut wie immer. Wir kochen sehr gerne und lieben gutes Essen. Auch das Einkaufen macht uns Freude, immer wieder gibt es neue Produkte zu entdecken. Wenn möglich, kaufen wir frische Lebensmittel auf dem Markt. In Ländern, wo die Restaurants preiswert sind, essen wir immer mal wieder auswärts. Das möchten wir nicht missen, denn nur so können regionale Spezialitäten kennengelernt werden.

Wohnzimmer, Küche, Bad, alles auf wenigen Quadratmetern, warum reist ihr mit dem Camper und nicht mit dem Flugzeug oder mit dem Velo?
Genau, das lieben wir am Unterwegssein mit Fahrzeug – homeiswhereyoupark it, als „Vorgarten“ die schönsten Landschaften dieser Erde. Wir schätzen, dass wir durch diese Reiseart der Natur sehr nahe sind. Stundenlang in der Sonne zu frühstücken, mit Meeresrauschen einzuschlafen, an einem Feuer unter dem Sternenhimmel zu sitzen… Und auch das grosse Freiheitsgefühl das wir beim Reisen mit Fahrzeug empfinden. Wir halten da wo wir möchten, wir bleiben so lange es uns gefällt, wir schlafen, da wo es am schönsten ist. Je länger wir unterwegs sind, desto mehr schätzen wir zudem, in unserem Bett und unserer Bettwäsche schlafen zu können.

Die Schweizer Abenteurer schätzen, dass sie durch ihre Reiseart der Natur sehr nahe sind.

Camping wird oft auch mit Romantik in Verbindung gebracht, was waren bis anhin eure schönsten Erlebnisse?
Da gibt es nach drei Jahren unterwegs unzählige und eines herauszupicken ist schwierig… Besonders schön finden wir es immer wieder, irgendwo im Nichts zu stehen, auf Meer und Sonnenuntergang zu schauen. Nur Natur, Stille und wir. Aber auch, bei peruanischen Blumenpflückern vor ihrem Haus zu sitzen und mit ihnen zu plaudern, zusammen durch unberührte Natur zu streifen, Königspinguine in der Morgensonne zu beobachten…

Freud und Leid liegen bekanntlich nahe beieinander, wo liegen die Probleme wenn man mit dem Camper unterwegs ist und seid ihr schon einmal stehen geblieben?
Stehen geblieben nicht, doch als plötzlich die Bremsen nicht mehr funktionierten, war das ein Schreckensmoment.

Wie wurde das Problem gelöst?
Wir hatten bei diesem Malheur grosses Glück – wir konnten ausrollen und kamen gleich neben einer improvisierten Garage, wie sie in Mexiko zuhauf zu finden sind, zu stehen. Die Hilfsbereitschaft der Mexikaner war sehr gross und sie unternahmen alles, damit wir bereits am nächsten Tag weiter fahren konnten.

Auf welchen Gegenstand könnt ihr in eurem Camper auf keinen Fall verzichten?
Auf unsere Bialetti-Kaffeemaschine! Dicht gefolgt von der Kaffeemühle (ja, wir lieben Kaffee!) und dem faltbaren Abwaschbecken, das wir für vieles brauchen.

Zora
In der Regel parken Sabine und Andy Zora in der freien Natur.

Als Camper ist man immer auf der Suche nach der schönsten Route, von welcher Strecke schwärmt ihr bei jeder Camper-Unterhaltung?
Wir sind immer auf der Suche nach schönen Routen und konnten schon eine Vielzahl eindrücklicher Strassen erleben. Unvergesslich sind für uns unter anderem der Dempster Highway im Norden Kanadas, eine sehr kurvige Passstrecke durch die Cordillera Blanca in Peru, die unfassbare Lagunenroute in Bolivien, die Carretera Austral im Süden Chiles und der Pantanal in Brasilien.

Links oder Rechts, wer navigiert?
Der, der gerade nicht fährt. Wir teilen uns alle anfallenden „Arbeiten“. Wobei die Navigationskünste der Beifahrerin leider manchmal etwas zu wünschen übrig lassen… Bisher sind wir jedch immer angekommen und haben selbst enge Städte voller Einbahnstrassen erfolgreich gemeistert.

Und wer behält die Nerven wenn es der falsche Weg war?
Im besten Fall beide, im schlechteren niemand…

Bei uns läuft während der Fahrt immer laute Musik, bei euch auch oder singt Ihr lieber selbst?
Wir hören nur ab und zu Musik. Wir mögen es, die Fenster zu öffnen und den Geräuschen des Unterwegsseins zu lauschen, auch ist unser Fahrzeug je nach Piste relativ laut.. Wenn eine Etappe langweilig ist, hören wir gerne Podcasts.

Kochen in der Natur
Die Schweizer kochen leidenschaftlich gerne und lieben Kaffee – auch in der wilden Natur.

Wo übernachtet Ihr lieber: Auf dem sicheren Campingplatz oder an einem wilden Ort?
In der Regel in der freien Natur. Aber nach ein paar Tagen hat dann jeweils ein Campingplatz mit heisser Dusche durchaus seinen Reiz. Wir schätzen es dann auch, nicht immer alles wegräumen zu müssen.

Apropos Sicherheit, wie sichert ihr euch während der Nacht? Hattet ihr gar schon einmal Angst?
Wir übernachten nur, wo es für beide stimmt. Hat einer von uns beiden ein schlechtes Gefühl, fahren wir weiter. Zudem schauen wir, dass der Fahrersitz frei ist und wir im Notfall schnell abfahren könnten. Und unser Bärenspray gibt zusätzliche Sicherheit (zumindest vermeintliche).

Zur schönsten Strecke gehört auch der schönste Stellplatz, wo liegt dieser für euch und warum?
Wir haben viele Favoriten. Aber ein besonders schöner, liegt an der Küste Chile’s zwischen rundgeschliffenen Felsen mit Blick auf das Meer. Zusammen mit einem goldenen Sonnenuntergang, einfach wunderbar.

Was ist entscheidend, ob ihr eine oder mehrere Nächte an einem Ort bleibt?
Das ist sehr unterschiedlich. Je nach Reiselust, Wetter, Sicherheitssituation und momentanen Bedürfnissen. Meist sind wir uns zum Glück einig. Beim jetzigen Unterwegssein werden wir viel langsamer unterwegs sein, als die Jahre zuvor und wir haben für einmal kein Ziel.

Zum Campen gehört auch immer die Gemeinschaft, man tauscht sich aus. Welchen Kontakt lässt ihr auf keinen Fall mehr abbrechen?
Wir haben unterwegs viele Reisende getroffen und schätzen den Austausch mit anderen sehr. Der Austausch erweitert den eigenen Horizont oft und gibt Inspiration, die über das eigentliche Reisen weit hinausgeht. Mit einigen, die wir unterwegs kennengelernt haben, entstanden schöne Freundschaften, die wir nicht missen möchten.

Zora am Meer
Ein besonders schöner Stellplatz haben Sabine und Andy an der Küste Chile’s zwischen rundgeschliffenen Felsen mit Blick auf das Meer gefunden.

Zusammenleben auf wenigen Quadratmetern, fliegen da auch einmal die Fetzen?
Auf alle Fälle. Vor allem in Kombination mit Hunger, Müdigkeit, Hitze oder Moskitos…

Oft ist es doch aber auch schön zusammen, oder? Was schätzt Ihr am Reisen als Paar?
Wir schätzen es sehr, all die Erlebnisse teilen zu können – gute, wie schlechte. Wir tauschen uns auch sehr oft darüber aus. Weisst du noch hier, weisst du noch dort.. Eine solch intensive Zeit schweisst zusammen und es ist schön zu realisieren, was gemeinsam alles geschafft werden kann.

Mit dem Camper quer durch Australien, ein Traum vieler. Steckt in jedem von uns ein Camper oder braucht es dazu mehr?
Nein, ich denke sehr viele können sich eine Langzeitreise mit Fahrzeug nicht wirklich vorstellen. Es bleibt bei den meisten wohl beim Träumen oder einer Urlaubsreise. Das ist auch ok so.

Brot
Die Schweizer backen wenn möglich auch das Brot selbst.

Damit auch der nächste Tank wieder gefüllt ist, braucht es Geld, womit finanziert ihr eure Reise, lebt Ihr dauerhaft im Camper?
Wir lebten rund 2,5 Jahre von unserem Ersparten, jetzt verdienen wir unser Geld mit dem Erstellen von Websites und dem Schreiben.

Apropos Tank, wie viel habt Ihr für die letzte Füllung bezahlt? (Literpreis/Land)
Hier in Uruguay ist der Diesel mit rund 1,50 Dollar pro Liter sehr teuer. Wir tanken so wenig wie nötig und gehen dann weiter nach Argentinien oder Brasilien, wo Diesel günstiger ist.

Wohin geht eure Reise in den kommenden Monaten?
Wenn wir das wüssten… sicher nach Chile und Argentinien. Und dann vielleicht durch Bolivien, Brasilien, Peru und Ecuador wieder hoch ins geliebte Kolumbien? Wir werden sehen.

Was meint Ihr, kann man als Nomade auch wieder einmal sesshaft werden?
Sesshaft zu werden können wir uns schon irgendwann einmal vorstellen. Ein Zurück in ein fremdbestimmtes Leben, jedoch nicht. Und wir wissen, wir werden immer wieder längere Zeit unterwegs sein. Ganz bestimmt mit einem Fahrzeug.

Verfolge die weitere Reise von Zora

Wir danken Sabine und Andy für das spannende Interview und wünschen eine gute Weiterreise und stets genug Sprit im Tank. Die nächste Folge „Mit meinem Bett in…“ folgt am kommenden Sonntag mit Sabine und Micha vom Blog: www.hermann-unterwegs.de

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