Wir erkunden Neapel und schlafen im Vulkan Solfatara

Lui vor dampfendem Hang - Solfatara besichtigen
Der gesamte Hang dampft – das Zischen ist hier sehr laut!

Dass es in Italien aktive Vulkane gibt, ist uns wegen des sehr aktiven Ätna durchaus bewusst. 2015 legte dieser bei einem Ausbruch den Flugverkehr mehrere Tage lahm. Doch es gibt weit mehr aktive Vulkane in Italien als den Ätna. Die ganze Region um Neapel ist eine vulkanische Zone. Wir haben uns nicht nur einen aktiven Vulkan angesehen, sondern gleich darin geschlafen! Was wir sonst noch rund um Neapel erlebt haben, erzählen wir dir jetzt.

Viele Vorurteile – Neapel ist gefährlich, Mafia-Gebiet, es ist komplett zugemüllt und stinkt

Fahr da bloss nicht hin! Was willst du dir da ansehen, Müll? Es ist gefährlich, dort herrscht die Mafia! Sein Ruf eilt Neapel weit voraus, bei unseren Recherchen vor der Anreise sind wir ebenfalls auf zahlreiche Artikel – auch von fundierten Quellen – gestossen, die nicht viele nette Worte zur Beschreibung des Ortes und der Region benutzten.

Natürlich prallen soviele negative Informationen an uns nicht einfach ab und wir haben es uns schon gut überlegt, wie wir Neapel besichtigen wollen. Zahlreiche Berichte zu aufgebrochenen und gestohlenen Autos auf Stadtgebiet bewirkten beispielsweise, dass wir auf keinen Fall den Camper in Neapel alleine stehen lassen wollten. So suchten wir etwas ausserhalb nach einem Camping und wurden in Pozzuoli fündig.

Pozzuoli – das heisse Pflaster von Neapel

Als wir die Beschreibung des Campings etwas genauer ansahen, staunten wir nicht schlecht: Der Platz liegt im aktiven Vulkan Solfatara – und mit „im“ ist im Krater gemeint! Einige unserer Vorgänger schrieben von etwas Schwefelgeruch, andere meinten, es sei wetterabhängig und teilweise gar nicht zu riechen. Wir hatten da aber schon lange angebissen! In einem aktiven Vulkan zu übernachten, das wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Besuch des Vulkan Solfatara

Eigentlich kostet die Besichtigung des Vulkans Eintritt, doch wer auf dem Camping Solfatara übernachtet, darf diesen kostenlos so oft und wann er will besuchen. Bei unserer Ankunft hat es stark geregnet. Erst die Tage darauf kam die Sonne raus und wir schauten uns die brodelnden und zischenden Quellen ganz genau an.

gelblich rote Steine, daraus Dampfsäulen bei Sonnenschein - Italien Rundreise
Heisse Dampfquellen im Vulkan Solfatara

Im aktiven Teil des Vulkans gibt es abgesperrte Bereiche mit brodelnden Schlammpfützen aber auch viele Orte, wo du ganz nah an Austrittsstellen herangehen kannst. Der Schwefelgeruch ist je nach Standort fast gar nicht riechbar bis sehr intensiv. Praktisch ist, dass du den starken Geruch an dir selber kaum wahrnimmst.

Am Wegesrand stehen immer wieder Informationstafeln, die in verschiedenen Sprachen erklären, was es mit dem Vulkan und seiner Tätigkeit auf sich hat.

Ein paar Fakten zum Vulkan Solfatara bei Neapel
> Teil der phlegräischen Felder, die Gesamthaft rund 150 km2 umfassen
> 50 Eruptionsherde umfassen das Gebiet – einer ist der Vulkan Solfatara
> Kraterdurchmesser ca. 770 Meter
> Austritt von bis zu 200 Grad heissem Wasserdampf und diversen Gasen (Schwefel, Antimom und Quecksilber)
> Schwefelablagerungen überdecken die Steine und färben sie gelb
> Der Vulkan wird durch Messstationen und mit Hilfe von Satelliten permanent überwacht

Eintritt für Tagesbesucher 7 € / Für Übernachtungsgäste vom Camping Solfatara gratis

Gelb, Orange, Rot verfärbte Steine - Vulkan Solfatara
Vom Schwefel verfärbte Steine direkt bei einer Austrittsstelle.
Steinhang mit kleinen Dampfschwaden - Vulkan Solfatara besichtigen
Wo wir hinsehen dampft es aus den Steinen heraus.

Lohnt sich die Besichtigung des Vulkans Solfatara?

Wir finden klar: Ja! Du kommst wirklich nah an das Geschehen ran, hörst, riechst und fühlst den Vulkan und es ist schon beeindruckend, dass da direkt vor deinen Augen Dampf aus dem Inneren unseres Planeten zischend entweicht. Die beste Option ist definitiv, wenn du direkt auf dem Camping übernachtest – die Nähe zu Neapel ist auch gegeben.

Der Eintrittspreis von 7 € ist nach unserer Empfindung eher hoch angesetzt aber klar, es ist ein exklusives Naturschauspiel, weshalb du da schon hingehen solltest.

Ist Neapel sehenswert? Keine Ahnung, lass uns hinfahren!

Wir haben zu Beginn dieses Artikels die zahlreichen Vorurteile zu Neapel wiedergegeben, jetzt wollen wir aber selber herausfinden, was es damit auf sich hat. Wir gehen zu Fuss zur Metrostation in Pozzuoli und 40 Minuten später steigen wir vom Untergrund die Stufen hoch und sind bereits mitten in Neapel.

Es ist laut, stinkt nach Abgasen, die Häuser sind düster und es drängen sich viele Menschen an uns vorbei. Der erste Eindruck bestätigt vielerlei Vorurteile, die Stadt ist – zumindest hier, an der Station Cavour – keine Schönheit. Nach ein paar Schritten fällt uns auf, dass kein bisschen Müll herumliegt, kein klitzekleines Schnipselchen – nichts! Okay, die Dame etwas weiter vorne reinigt den ganzen Park auch gerade, aber auch auf den Strassen oder den Bürgersteigen liegt kein Abfall herum und das, obwohl in einer Grossstadt doch immer irgendwo was herumliegt.

düstere Gebäude mit viel Grau - Neapel Innenstadt
Gebäude in Neapel gegenüber dem archäologischen National Museum

Langsam erwacht die Stadt zum Leben. Es ist erst 9 Uhr und viele Geschäfte kommen erst so langsam in die Gänge. Wir schlängeln uns durch die Gassen, vorbei an hupenden Blechlawinen an die Via Toledo. Der Verkehr ist total irre! Fussgängerampeln finden wir keine, wir versuchen es erst mit Warten – der Verkehr ist total dicht – bis eine Nonna kommt, einfach auf die Strasse läuft und die Autos jeweils im letzten Moment doch noch stehen bleiben. So geht man also in Neapel über die Strasse. Ein paar Überquerungen später können wir es auch schon ganz gut, haben aber immer ein mulmiges Gefühl dabei.

Die Via Toledo gilt als Einkaufsstrasse und hier ist auch sehr viel los. Erst ist die Strasse noch befahren, später wird sie zur Fussgängerzone. Eher noble Geschäfte säumen die Strasse, immer wieder tauchen aber auch kleine Bäckereien auf, denen wir nicht allen widerstehen können. Am Ende liegt die Piazza del Plebiscito mit der Basilica San Francesco da Paola.

Wir fühlen uns…

Der erste Eindruck war nicht der beste, aber mit der Zeit finden wir immer mehr Ecken und Strassen, die uns sehr wohl gefallen, in denen Leben herrscht und kunterbuntes Treiben. Auf dem Rückweg sind wir noch der Via Benedetto Croce gefolgt. Eine enge Fussgängergasse mit wiederum vielen Geschäften. Hier lebt die Stadt richtig. Von lokalen Spezialitätenläden über Restaurants und Modegeschäfte gibt es hier alles. In einer Seitengasse hat es zahlreiche Souvenir-Stände aber nicht mit dem klassischen Ramsch, sondern mit Figuren für Krippen und allem möglichen Zubehör wie Feuerstellen, Brunnen, Frauen, die Kleidung waschen etc.

Saubere Strasse mit vielen geparkten Autos zwischen Häusern - Neapel
Gepflegt, sauber mit gestutzten Bäumen – so sieht Neapel aus!

Langsam macht sich der Hunger breit, da sticht uns eine ganz spezielle Pizza ins Auge: Mit Büffelricotta, Mozzarella und Pomodoro gefüllt, wird sie zu einer Calzone geformt und landet im heissen Öl! Die Pizza wird frittiert! Und sie schmeckt echt lecker. Bilder davon gibt es im Video unten.

Steffi mit frittierter Pizza als Calzone - Neapel
Frittierte Pizza im Sorbillo Esterina.

Werde nicht Leichtsinnig, besichtige die Stadt aber halte dich von Kriesenzonen fern

Die Gewalt wird innerhalb der organisierten Banden gelebt, aber sie ist da! Der letzte grosse Bandenkrieg in Neapel war in den Jahren 2004/2005, es wurden rund 70 Personen ermordet, 2009 konnten in der Region Kampagnen 49 Morde der Mafia zugeordnet werden. Das Abfallproblem der Region konnten wir selber sehen – ausserhalb der Stadt ist es nämlich sehr wohl extrem vermüllt! Kilometerlang der Autobahn entlang zieht sich ein einziger Plastikmüll-Streifen, Nothaltebuchten verkommen zu Mülldeponien, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Nicht korrekte Entsorgung von Sondermüll sorgt in der Region für verseuchte Böden – dieses Problem ist ganz klar ebenfalls auf die Mafia zurückzuführen. Die Camorra ist Hauptarbeitgeber in der Region, die unter grosser Arbeitslosigkeit leidet. Gerade Jugendliche geraten so leicht in die Fänge der Banden.

Wir wollen dir mit diesen Informationen keine Angst machen, es geht uns nur darum zu sagen, dass es hier schon auch anders zugehen kann und du dir noch besser als in anderen Städten überlegen solltest, wo du hingehst. Bleib auf den Touristenrouten und es ist kein Problem.

Unser Fazit zu Neapel

saubere Strassen, etwas Verkehr, eher dunkle bunte Gebäude - Neapel Sehenswürdigkeiten
Die saubere Innenstadt von Neapel.

Ja, die Stadt ist laut und hektisch. Aufgrund des vielen Verkehrs mit einem grossen Anteil älterer Fahrzeuge ist die Smog-Belastung sehr hoch, weshalb „sie stinkt“ ein durchaus berechtigtes Argument ist. Aber die Stadt ist – im Zentrum – wirklich nicht dreckig, die Menschen sind freundlich, der Verkehr absolut chaotisch und ein Dauerhupen ist normal. Wenn du dich aber einfach an die Einheimischen dran hängst, klappt das schon. Gefährlich? Die Frage ist schwierig zu beantworten… Wir haben keine gefährliche oder mulmige Situation erlebt. Ob ich jetzt da durch die Hintergassen bei Nacht gehen möchte – eher nein. Es gibt zu viele Belege über den Aufenthalt der Camorra in Neapel, um sie ausser Acht zu lassen. Allerdings findet dieser Teil von Neapel nicht unter den Touristenaugen statt.

Wir finden die Stadt sehenswert, nicht weil sie besonders schön ist, sondern weil sie spannende Gassen mit vielen kleinen Geschäften hat, weil es die drittgrösste Stadt Italiens ist und schon eine ganze Reihe an Kultur beinhaltet und nicht zuletzt, weil die Region z.B. mit dem Vulkan Solfatara einiges bietet und wenn du sowieso schon in der Umgebung bist, dann schau einfach mal rein.

Hast du dich schon einmal bei einer Stadtbesichtigung unwohl gefühlt? Oder welche Vorurteile über Reiseziele hast du schon gehört, die so gar nichts mit der Wahrheit zu tun haben? Lass es uns wissen.

überraschte Grüsse aus Neapel

dein comewithus2-Team


>> Schau dir hier das Video zu Neapel und dem Vulkan Solfatara an <<

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