Skopje – moderner Prunk oder Kitsch?

Prunk oder Kitsch? Skopje stellt dich vor genau diese Frage!
Skopjes Innenstadt hat zweifelsohne eine spezielle Architektur – gefällt sie dir?

Es sind nur gerade ein paar Tage vergangen, seit eine Gruppe Demonstranten gewaltsam ins Parlament von Skopje eindrangen und Politiker verletzten. Entsprechend machten auch wir uns viele Gedanken vor der Anreise in die Hauptstadt Mazedoniens. Im Land aber hörten wir so viele Stimmen, die ein Besuch Skopjes als bedenkenlos sahen, dass wir mit einem guten Gefühl in die Hauptstadt fuhren und uns dieses auch noch nach der Abreise begleitete.

Fortbewegung in Skopje: Bus, Taxi, zu Fuss

Der Kern von Skopje ist sehr überschaubar und problemlos zu Fuss machbar. Doch erst musst du dorthin gelangen. Wir übernachteten auf dem Campingplatz beim Hotel Bellevue und der liegt rund 11 Kilometer ausserhalb. Es fährt ein Bus in der Nähe und mit diesem gelangten wir ins Zentrum. Wie genau das mit dem Ticket wirklich funktioniert, wissen wir nicht. Wir fragten einen Mann, der wiederum klopfte beim Busfahrer an und löste uns Tickets. Das ist wohl nicht normal so und klappt nur, wenn du einen so netten Helfer findest, wie wir ihn hatten. Schlussendlich bezahlten wir 300 Denar und hatten zwei aufladbare Busfahrkarten.

Zurück sind wir übrigens mit dem Taxi – ein fürchterliches Gewitter mit starkem Regen überraschte uns. Bezahlt haben wir 350 Denar und somit kaum mehr als mit dem Bus, womit wir dir diese Reiseform empfehlen können. Es läuft auch ein Taxometer und somit ist alles korrekt und nachvollziehbar.

Zahlreiche Statuen und Monumente zieren die Innenstadt Skopjes.
Ein paar Fakten zu Skopje
Einwohner:  rund 540’000   –   grösste Stadt Mazedoniens
Fläche:  210 Quadratkilometer
Religionen:  grösster Anteil Orthodoxes Christentum sowie Islam, es gibt aber auch einige Katholiken, Protestanten sowie Juden.
Sprache:  Mazedonisch & Albanisch, aber auch Romani, Serbisch, Türkisch, Bosnisch…

Sehenswürdigkeiten in Skopje – Fotospaziergang

Den Bus verliessen wir in der Nähe des Flusses Vardar und kamen als erstes an der Muttergotteskirche vorbei. Am Ort wo heute die orthodoxe Kirche steht, war bereits im Mittelalter ein Gotteshaus.

Imposante Brunnen sind überall
Wasser und imposante Brunnen sind überall im Zentrum anzutreffen – hier vor der Muttergotteskirche.

Es zog uns förmlich weiter dem Fluss entlang, denn da sahen wir Restaurants auf Schiffen und prunkvolle Brücken mit wahren Palästen dahinter.

Prunk in Skopje - Frauen und Männer auf Kupfergüssen führen Alltagsarbeiten aus.
Selbst die Brückengeländer sind aufwändig verziert mit Darstellungen aus dem alltäglichen Leben.

Skopje 2014 – was ist das?

Die Bauten sind Teil des Projektes Skopje 2014, welches im In- sowie Ausland für viel Aufregung und Missfallen gesorgt hat. Verschiedene Gebäude, Monumente und Kirchen wurden mit Steuergeldern erbaut – die Muslime im Land kritisieren, dass Kirchen mit ihren Steuern erbaut wurden, während Moscheen privat finanziert werden müssen; die imposante Alexander-Statue sorgte wiederum in Griechenland für Unmut und auf dem Triumphbogen wurden auch Albanische Staatsteile als Mazedonische abgebildet. Dazu kommt, dass aus den kalkulierten 80 Millionen Euro über 200 wurden und das Ergebnis gerne mal als Disneyland Mazedoniens oder historischer Kitsch betitelt wird. Grob gesagt: Skopje 2014 ist ein riesiger Flop!

29 Statuen stehen auf dem Brückengeländer - Skopje erkunden
Die Künstlerbrücke wird von 29 lebensgrossen Statuen von Künstlern geschmückt.
Prunkbaute vom Projekt Skopje 2014
Auch das archäologische Museum strahlt in neuem Glanz.
Grosser Torbogen mit Bildern zur Geschichte Mazedoniens - Sehenswürdigkeiten Skopje
Der Triumphbogen Makedonija sorgt bei den Albanern für Missfallen.

Die Gebäude und Brücken sind imposant anzuschauen, doch irgendwie kommt in uns das Gefühl von Kitsch auf. Dieser ganze Prunk hat nichts mit historischen Gebäuden und der Kultur von Skopje oder Mazedonien zu tun. Für uns sehen sie wie Kopien aus der Römerzeit aus, die aber keinen solchen Hintergrund haben. Natürlich sind sie gepflegt (sind ja auch noch nicht alt) und eindrücklich, doch in unseren Augen keine Sehenswürdigkeit – ausser vielleicht, du interessierst dich für neue Architektur.

Alexander des Grossen Reiterstatue

Ein grosser Platz tut sich vor unseren Augen auf. Ein paar Roma-Kinder spielen mit dem Wasserkunstwerk, sie sind klatschnass und quietschen vor Freude. Dahinter auf seinem 22 Meter hohen Sockel reitet Alexander der Grosse, darunter sind wasserspeiende Löwen, die damit den Kriegern an der Säule Angst einjagen. Wiederum zu viel Kitsch für uns, obwohl das ganze ja schon schön anzuschauen ist.

Reiterstatue auf Sockel mit Wasserspiel und Kindern davor. Sehenswürdigkeiten Skopje
Die umstrittene Alexander des Grossen Statue im Herzen der Altstadt (oder ähm Neustadt).
Die Statue steht auf einem grossen Platz und ist auch von Hinten eindrucksvoll.

Mutter Theresa wurde in Skopje geboren – Gedenkstätte

Wusstest du, dass Mutter Theresa hier in Skopje geboren wurde? Am 26. August 1910 wurde sie in Skopje – dazumal Osmanisches Reich mit dem Namen Üsküb – geboren. Ihr wurde in der Stadt eine lebensgrosse Statue und ein Museum gewidmet. Du findest es in der Mazedonien Strasse in der Fussgängerzone.

Frontansich Museum Mutter Teresa - Sehenswürdigkeiten Skopje
Das Mutter Teresa Museum in der Fussgängerzone von Skopje.

Über die Steinbrücke auf den Vardar

Noch immer ist die alte im 15. Jahrhundert gebaute Steinbrücke – wobei es davor hier schon eine andere Brücke gab – eine häufig benutzte Möglichkeit, den Vardar mit trockenen Füssen zu überqueren. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und schmückt auch das Wappen von Skopje.

An beiden Enden der Steinbrücke befinden sich zahlreiche Statuen und Monumente von Skopje 2014. Die Brücke an sich stellt zum modernen Prunk einen regelrechten Kontrast dar.

Steinbrücke über Fluss - Skopje
Die Steinerne Brücke in Skopje führt seit über 5 Jahrhunderten an dieser Stelle über den Fluss.

Perfekte Sicht über Skopje aus der Festung Kale

Etwas erhöht über der Stadt thront die Festung Kale. Die Mauern sind noch gut erhalten, innerhalb ist vieles eingestürzt und sind mehrheitlich nur noch Ruinen zu besichtigen. Der Eintritt ist frei und du kommst gut auch zu Fuss hin. Wir spazierten der Festungsmauer entlang und konnten den bereits zurückgelegten Weg durch die Stadt nachvollziehen. Doch wir sahen auch Unheil auf uns zukommen, der Himmel verdunkelte sich rapide und schon bald sollten erste vereinzelte Tropfen auf uns hinunter prasseln.

Turm in Burgmauer, Mazedonien-Flagge, pechschwarzer Himmel - Skopje besichtigen
Die Festung Kale thront über der Stadt – siehst du das Unheil aufziehen?

Der alte Bazar

Schon fast hätten wir nicht mehr daran geglaubt, aber Skopje bietet nebst der Festung Kale ja wirklich noch etwas Altes und Echtes. Ein Spaziergang durch den Bazar ist eindrücklich, die Gassen sind gesäumt von kleinen Geschäften, die Verkäufer stehen an der Eingangstüre und begrüssen Besucher. Leider ist unser Aufenthalt hier nur von kurzer Dauer, die schwarzen Wolken beschliessen, sich nun zu entleeren und wir schaffen es gerade noch so unter eine Markise, bevor die Himmelsschleusen sind richtig öffnen.

Fussgängerzone mit kleinen Geschäften, Ritterrüstung, pechschwarzer Himmel - Skopje besichtigen
Der alte Basar ist schon verlassen, die schwarzen Wolken lassen auch keine Shopping-Laune aufkommen…

Unser Fazit: Lohnt sich ein Besuch in Skopje?

Das ist nun eine schwierige Frage, die wir aus zwei verschiedenen Winkeln betrachten möchten. Wenn du sowieso durch Mazedonien reist, würden wir dir schon empfehlen, einen Tag in Skopje zu verbringen. Ein Tag reicht dann aber auch. Die Stadt zeigt nochmal schön auf, dass im Land viel für die Fassade gemacht wird, wie es dahinter aussieht, ist zweitrangig.

Suchst du aber ein spannendes Ziel für einen Wochenend-Trip, ist Skopje unserer Meinung nach der falsche Ort.

Du siehst, wir sind nicht vollends überzeugt von Skopje und da ist echte Berichte wichtiger sind, als alles mit «es war so toll» zu betiteln, sagen wir dir hier auch mal ziemlich klar: Skopje bietet nicht besonders viel und erst recht nichts besonders Spannendes für «normale» Touristen.

Herzliche Grüsse aus der Stadt des Prunks

Dein comewithus2-Team


 

Teile den Artikel mit deinen Freunden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.