Melanie und Jürgen: Mit „Luigi“ auf der Suche nach gutem Wind

Auf der ganzen Welt sind Reisende, wie wir, mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Sie suchen sich ihren Weg durch steiles Gelände, dem Strand entlang oder durch Grossstädte. Sie stossen an ihre Grenzen, erleben atemberaubendes und lernen dabei fürs Leben. In unserer Serie „Mit meinem Bett in“ stellen wir dir in den kommenden Wochen immer Sonntags verschiedene Reisenomaden vor. Im zweiten Teil lassen wir heute Melanie und Jürgen zu Wort kommen.

Persönlich

Wir sind Melanie, 32, und Jürgen, 38, aus Mondsee in Österreich. Momentan sind wir in Kapstadt für insgesamt 3 Monate. Es war schon lange unser Traum, mal längere Zeit in Südafrika zu leben und jetzt haben wir diesen Traum verwirklicht. Wir haben uns auch gerade selbstständig gemacht und können praktisch von überall aus arbeiten, solange wir eine stabile Internetverbindung haben. Wir schreiben seit 2,5 Jahren auf www.lifetravellerz.com, einem Reiseblog mit Schwerpunkt Kitesurfen, Sport und VW-Bus.

Camper in Amsterdam
Melanie und Jürgen aus Österreich.

Das Fahrzeug

Wir besitzen einen VW-Bus namens „Luigi“, den wir über alles lieben. Normalerweise sind wir keine Auto-Fetischisten, aber als Surfer waren wir schon länger auf der Suche nach einem etwas grösseren Auto. Zuerst hatten wir einen Kombi, den wir auch schon zum Campen genutzt haben. Mit Dachbox und Matratze auf der umgeklappten Rückbank waren wir auch fast jedes Wochenende unterwegs, aber irgendwann ist uns dann „Luigi“ über den Weg gelaufen und wir haben zugeschlagen. „Luigi“ ist ein VW T5 Allrad mit langem Radstand aus dem Jahre 2010, den wir als nackten Transporter gekauft haben und komplett in Eigenregie nach unseren Vorstellungen ausgebaut haben. Wir haben ihn im Herbst 2015 gekauft und ein halbes Jahr lang ausgebaut. Angefangen mit kompletter Geräusch- und Wärmedämmung, über eine 270 Amperestunden Versorgungsbatterie, 80 Liter Kühlschrank, drehbarer Doppelsitzbank, Bett, Tempomat, Warmwasser und selbst eingebaute Fenster verfügt er über alles, was wir auf Reisen so benötigen. Wir sind höchst zufrieden mit unserem Ausbau und sind wahnsinnig gerne auf Tour. Das Einzige, was uns in unserer derzeitigen Arbeitssituation fehlt, ist ein regengeschützter Arbeitsplatz und eventuell Stehhöhe im Bus. Allerdings hätte ein Hoch- oder Aufstelldach die Kosten gesprengt und deshalb haben wir es dabei belassen. Der Verbrauch liegt im Schnitt bei 8-9 Litern, wobei wir auch selten schneller als 120 km/h fahren, da dann der Verbrauch ganz schön nach oben geht. Was wir sehr schätzen, ist die Höhe und Länge des Fahrzeugs, denn wir können noch in den meisten Parkgaragen parken.

Camper vor Camper
Ihren „T5“ haben Jürgen und Melanie in Eigenregie ausgebaut.

Ihr habt von uns einen Fragebogen erhalten, wo beantwortet ihr die Fragen?
Es ist 9 Uhr morgens, wir sitzen im Wohnbereich unserer AirBnB Unterkunft in Kapstadt, genauer gesagt am Sunset Beach. Wir werden noch bis 13. April in Kapstadt sein, um online zu arbeiten, zu surfen und auch um dem Winter in Österreich zu entfliehen.

Habt ihr auch genug gutes Internet um uns eure Antworten zurückzusenden?
Ja, ein Land ohne ausreichende Internetverbindung ist für uns keine Option, denn wir arbeiten online und auch die Updates auf unserem Blog und den Social Media Kanälen sind uns sehr wichtig, sodass wir auf eine stabile Internetverbindung Wert legen. Hier in Kapstadt ist das möglich und das Internet ist auch recht erschwinglich. Für 100 GB zahlen wir € 69,- und haben meistens eine LTE-Verbindung.

Wir alle benötigen heute am liebsten 24-Stunden Internet, wie löst ihr auf Reisen dieses Problem?
So wie jetzt in Südafrika haben wir uns eine Sim-Karte mit mobilem Internet gekauft, aber wir haben auch in unserer Unterkunft WLAN. In Österreich ist das Internet im Vergleich zu Deutschland viel günstiger, so zahlen wir für 40 GB Internet im Monat, die wir europaweit nutzen können, nur 39 Euro. So ist auf unseren VW-Bus Roadtrips, die uns sehr oft nach Italien führen, unser Verbindung zur Online-Welt gesichert. Ansonsten kaufen wir uns aber immer eine SIM-Karte im jeweiligen Land. Wir navigieren nämlich meist auch mit Google Maps und brauchen dazu auch eine Internet-Verbindung.

Ist euer Reisemobil eine Internetfreie-Zone oder wird auch da gesurft?
Internetfreie Zone ist für uns ein Fremdwort. Wir benötigen das Internet um zu arbeiten und dadurch sind wir fast immer online. Ob das gut oder schlecht ist, lasse ich jetzt mal aussen vor.

Wie würdet ihr das Innere eures Reisemobils beschreiben, ist es euer Zuhause, das Wohnzimmer, oder alles in einem?
Hm, wir nennen „Luigi“ immer unser Heim auf vier Rädern. Es fühlt sich immer ein bisschen wie Heimat oder heimkommen an, wenn man unterwegs ist. Oder auch wie ein Familienmitglied, das immer dabei ist.

Die Küche steht im Reisemobil meist oft nicht weit vom Wohnzimmer entfernt, verrät ihr uns euer Lieblings-Camper-Rezept?

Wir haben im VW Bus selbst keine Küche eingebaut, da wir drinnen nicht kochen möchten – hauptsächlich aus Geruchsgründen. Aber wir haben natürlich eine tragbare Kochplatte dabei und – unser wichtigstes Kochutensil – einen Grill. Wir lieben es auf den italienischen Märkten frischen Fisch zu kaufen und am Abend zu grillen. Frischen Salat dazu und schon ist es für uns das perfekte Abendessen.

Camper auf Foto
Jürgen und Melanie sind mit „Luigi“ unterwegs.

Kocht ihr oft selbst?
Es kommt immer darauf an, wo wir gerade sind. In Italien gehen wir auch oft am Abend eine Pizza essen und kochen nicht so oft selbst. In Frankreich haben wir öfter selbst gekocht, da Essen gehen relativ teuer ist. Kommt also immer darauf an, wie die Lebenshaltungskosten vor Ort sind, wie gut uns die lokale Küche schmeckt und wie lange wir unterwegs sind.

Wohnzimmer, Küche, Bad, alles auf wenigen Quadratmetern, warum reist ihr mit dem Camper und nicht mit dem Flugzeug oder mit dem Velo?
Durch unser Surfequipment mit Kitesurf-Stuff und Stand-UP Paddle Boards haben wir mehr als 150 Kilogramm Gepäck immer mit dabei. Mit dem Fahrrad undenkbar. Wir fliegen zwar auch mal weg, aber für uns bedeutet das immer Stress mit dem Gepäck. Wir müssen uns sehr einschränken, die richtige Airline finden, die nicht ein Vermögen für Sportgepäck verlangt und vor allem brauchen wir vor Ort auch meistens ein Mietauto um flexibel auf Wind- und Wetterbedingungen zu reagieren. Deshalb ist es für uns immer einfacher, den VW Bus mit dem kompletten Gepäck zu beladen und loszufahren. Wir müssen uns nicht einschränken, was wir mitnehmen und sind flexibel in der Wahl unseres „Wohnorts“. Wenn Wind und Wetter nicht passen, fahren wir einfach weiter.

Wenn wir mit unserem Bus unterwegs sind, haben wir oft bis zu 150 Kilogramm Gepäck mit dabei

Camping wird oft auch mit Romantik in Verbindung gebracht, was waren bis anhin eure schönsten Erlebnisse?
Das Paradies für Camper und Kitesurfer ist wohl Sardinien. Es gibt nichts Schöneres als direkt am Wasser mit dem Klang der Wellen einzuschlafen und von der Sonne geweckt zu werden. Sardinien war für uns das Highlight unserer Camper-Erlebnisse. Aber ebenso lieben wir auch den Lago di Santa Croce und den Lago di Como. An beide Seen „flüchten“ wir gerne mal übers Wochenende.

Freud und Leid liegen bekanntlich nahe beieinander, wo liegen die Probleme wenn man mit dem Camper unterwegs ist und seid ihr schon einmal stehen geblieben?
Was uns im Hochsommer manchmal zu schaffen macht, ist die Hitze im VW Bus beim Schlafen. Gerade bei Sommernächten über 25 Grad kühlt es im Bus nicht ab und wir haben keine Stand-Klimaanlage. Das macht das Schlafen oft etwas schwierig. Beim Schlafen im VW Bus ist mir lieber zu kalt als zu heiß.
Stehen geblieben sind wir noch nie, aber auf Sardinien hat uns ein Italiener den Vorrang genommen und unser Auto gestreift.

Was ist dann passiert? Wie habt ihr das Problem gelöst?
Der Unfall auf Sardinien ist leider immer noch ein offenes Verfahren, es gibt Probleme mit dem Polizeiprotokoll und wir hoffen, dass der Fall zu unseren Gunsten gelöst wird. Ich kann jedem nur zu einer KFZ-Rechtsschutzversicherung raten.

Jeder, der mit dem Camper unterwegs ist, sollte unbedingt eine Rechtschutzversicherung haben

Auf welchen Gegenstand könnt ihr in eurem Camper auf keinen Fall verzichten?
Auf einen gut funktionierenden Kompressor-Kühlschrank für kalte Getränke. Und natürlich auf Strom, um unsere Geräte immer aufladen zu können.

Als Camper ist man immer auf der Suche nach der schönsten Route, von welcher Strecke schwärmt ihr bei jeder Camper-Unterhaltung?
Die Ostküste von Sardinien ist ein echter Traum zum Fahren und die Strände dort sind der Wahnsinn, wobei viele nur mit dem Boot erreichbar sind.

Links oder Rechts, wer navigiert?
Juergen fährt zu 99 Prozent und Melanie navigiert, da sind wir ein eingespieltes Team.

Camper beim Autofahren
Jürgen fährt, Melanie navigiert. Das Paar ist ein eingespieltes Team.

Und wer behält die Nerven wenn es der falsche Weg war?
Keiner! Wenn wir uns mal verfahren, sind wir beide meistens mega-genervt. Einer der wirklich wenigen Punkte, wo es bei uns auch mal zu einer Meinungsverschiedenheit kommen kann. Aber bis jetzt haben wir uns noch nie so gravierend verfahren, als dass wir es nicht rechtzeitig bemerkt hätten.

Bei uns läuft während der Fahrt immer laute Musik, bei euch auch oder singt ihr lieber selbst?
Da unser Musikgeschmack ziemlich auseinanderdriftet, läuft bei uns meistens das Radio oder ein Hörbuch. Melanie kann laute Musik gar nicht leiden und deshalb haben wir uns für diesen Kompromiss entschieden.

Wo übernachtet ihr lieber: Auf dem sicheren Campingplatz oder an einem wilden Ort?
Es kommt ganz auf den Ort an. Wenn wir einen Platz schon länger kennen, an dem es kein Problem ist, wild zu stehen, dann machen wir das gerne. Wenn wir allerdings an einem neuen Ort sind, dann stehen wir lieber auf dem Campingplatz – allein schon wegen der Toilettensituation.

Apropos Sicherheit, wie sichert ihr euch während der Nacht? Hattet ihr gar schon einmal Angst?
Naja, über Sicherheitsmassnahmen will ich nichts erzählen, der Feind liest vielleicht mit. Ja, ein ungutes Gefühl hatten wir schon 1-2 mal beim Wildcampen, zum Glück ist aber nichts passiert.

Zur schönsten Strecke gehört auch der schönste Stellplatz, wo liegt dieser für euch und warum?
Ein wunderschöner Campingplatz liegt auf der Insel Sant’Antioco vor Sardinien. Camping Tonnara liegt direkt an einer wilden Bucht und man hört, wie die Wellen an den Klippen brechen. Und der Sonnenuntergang ist sensationell.

Was ist entscheidend, ob ihr eine oder mehrere Nächte an einem Ort bleibt?
Das entscheiden bei uns Wind- und Wetterverhältnisse und ob uns der Ort und der Campingplatz gefallen.

Camoer auf Campingplatz
Mit dem grünen „Luigi“ sind die Lifetravellerz auch auf den Campingplätzen zu Gast.

Zum Campen gehört auch immer die Gemeinschaft, man tauscht sich aus. Welchen Kontakt lässt ihr auf keinen Fall mehr abbrechen?
Ich muss sagen, dass wir eher Einzelgänger sind und wir uns fast nie an die Campingplatz-Gemeinschaft anschließen. Das ist uns dann doch zum Teil zu spießig. Wir sind auch keine Dauercamper, das passt einfach nie zu uns. Aber wir sind generell auf Reisen nicht diejenigen, die Anschluss suchen. Wir schätzen unsere Zeit zu zweit sehr.

Zusammenleben auf wenigen Quadratmetern, fliegen da auch einmal die Fetzen?
Nein, bei uns fliegen generell ganz selten die Fetzen, auch nicht beim Campen.

Oft ist es doch aber auch schön zusammen, oder? Was schätzt ihr am Reisen als Paar?
Wir haben einfach gerne Zeit für uns und genießen schöne Plätze, an denen es ruhig ist. Im Juli und August wird man uns kaum irgendwo antreffen, wo viel los ist und es laut ist. Wir finden meistens ein ruhiges Plätzchen abseits der Touristenmassen. Ansonsten bleiben wir einfach zuhause, denn auch rund um unseren Wohnort gibt es viele schöne Plätze.

Mit dem Camper quer durch Australien, ein Traum vieler. Steckt in jedem von uns ein Camper oder braucht es dazu mehr?
Nein, ich glaube nicht, dass jeder ein geborener Camper ist. Auch wir könnten uns nicht vorstellen, jedes Jahr drei Wochen im August an der oberitalienischen Adria zu campen, wenn es überall voll ist und es eine Menge Trubel gibt und man den Stellplatz ein Jahr im Voraus buchen muss. Uns gefällt die Flexibilität jeden Tag weiterfahren zu können, wenn wir es denn möchten. Deshalb sind Vor- und Nachsaison unsere Reisemonate. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es jedem gefällt, gemeinsame Waschräume zu benützen, da muss ich mich auch oft überwinden. Viele stellen sich das Campen auch romantischer vor als es ist. Nur selten gibt es einsame Strände, an denen man ungestört über mehrere Tage stehen kann. Campen heißt auch Kompromisse zu machen, was das Platzangebot betrifft. Ich denke nicht, dass das jeder mag.

Uns gefällt die Flexibilität jeden Tag weiterfahren zu können, wenn wir es denn möchten

Damit auch der nächste Tank wieder gefüllt ist, braucht es Geld, womit finanziert ihr eure Reise, lebt ihr dauerhaft im Camper?
Nein, wir leben nicht dauerhaft im VW Bus, dazu wäre er auch einfach zu klein und bei schlechtem Wetter haben wir einfach keine Möglichkeit zu arbeiten. Vielleicht muss auch in ein paar Jahren mal ein größeres Modell her. Derzeit sind wir gerade dabei unser Online-Business aufzubauen und hoffen, dass wir bald davon leben können.

Apropos Tank, wie viel habt ihr für die letzte Füllung bezahlt? (Literpreis/Land)
Das war in Österreich, ich glaube wir haben € 1,10 pro Liter bezahlt und so ca. 75 Liter getankt.

Wir stehen noch am Beginn des Jahres, wohin geht eure Reise in den kommenden Monaten?
Zum ersten Mal seit Jahren haben wir das komplette Jahr noch nicht durchgeplant. Wir sind jetzt noch bis Mitte April in Kapstadt und dann werden wir sehen, wie es mit uns weitergeht. Das hängt davon ab, ob sich unser Business so entwickelt, wie wir das gerne hätten. Pläne und Reiseziele haben wir genug in petto, wenn sich alles positiv entwickelt. Italien und Portugal stehen hoch im Kurs, aber da sind wir immer noch auf der Suche nach einem Campingplatz, der sich in der Nähe eines Kitespots befindet und vielleicht noch ein Coworking-Space bietet. Das wäre eine Traumvorstellung.

Was meint ihr, kann man als Nomade auch wieder einmal sesshaft werden?
Mit Sicherheit, wenn man denn muss. Wer überlegt, Kinder zu bekommen, muss wahrscheinlich an die Schulbildung der Kinder denken. Ich glaube, dass jede Rückkehr nach einer Reise in den Alltag schwierig ist, egal ob man nun ein Jahr auf Weltreise war oder drei Wochen lang mit dem Camper durch Europa gefahren ist. Deswegen hoffen wir, dass alles mit unserem Online-Business klappt und wir nicht mehr in den 9-5 Alltag zurück müssen, sondern dann arbeiten können, wenn wir am besten arbeiten können.

Wir danken Melanie und Jürgen für das spannende Interview und wünschen eine gute Weiterreise und stets genug Sprit im Tank. Die nächste Folge „Mit meinem Bett in…“ folgt am kommenden Sonntag mit Sonja und Chris von „Wir sind veg“.

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