Mit meinem Bett in: Stefanie und Sebastian im Interview

Stefanie und Sebastian reisen als Digitale Nomaden durch ganz Europa

Auf der ganzen Welt sind Reisende, wie wir, mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Sie suchen sich ihren Weg durch steiles Gelände, dem Strand entlang oder durch Grossstädte. Sie stossen an ihre Grenzen, erleben atemberaubendes und lernen dabei fürs Leben. In unserer Serie „Mit meinem Bett in…“ stellen wir dir immer Sonntags verschiedene Reisenomaden vor. Im 25. Teil lassen wir heute Stefanie und Sebastian vom Blog Arbeiten Unterwegs zu Wort kommen.

Persönlich

Stefanie und Sebastian haben ihren festen Wohnsitz 2014 aufgegeben. Seitdem reisen sie als Digitale Nomaden durch die Welt und arbeiten von unterwegs – erst war das Paar mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, seit Juni 2015 fahren sie in ihrem Wohnmobil Simon durch Europa.

Stellt euch mal vor
Wir sind Stefanie und Sebastian, 37 und 39 Jahre alt. Wir haben beide bis Herbst 2014 in Leipzig in einer Wohnung gelebt. Steffi hatte einen Job als Lehrerin an einer Medizinischen Berufsfachschule und ich war Geschäftsführer einer Onlinemarketing-Agentur. Seit 2006 habe ich mit meinem damaligen Geschäftspartner und bestem Freund unser Unternehmen strikt auf Ortsunabhängigkeit ausgerichtet. Keine festen Arbeitszeiten, keine Büroanwesenheit. Das war ein langer und anstrengender Weg. Denn viele heute selbstverständliche Dinge wie komplett digitale Buchführung, Unternehmen, die die Post entgegen nehmen und scannen sowie Rechnungen, die per E-Mail verschickt werden, gab es damals alles noch nicht oder steckte gerade in den Kinderschuhen.

 2012 funktionierte das dann soweit ganz gut und Stefanie war mittlerweile des Daseins als Angestellte überdrüssig. Sie war unglücklich mit der Gesamtsituation und insbesondere der Ortsgebundenheit. Gemeinsam mit einer aufkommenden Reiselust, kamen die ersten Gedanken, unsere Wohnung aufzulösen und um die Welt zu reisen und da zu arbeiten, wo wir Lust haben.
Ende 2014 haben wir alles verkauft, verschenkt, weggeschmissen, was in unserer Wohnung war – es war verdammt viel Kram, den wir kaum nutzten. Erstaunlich, was wir alles angesammelt hatten. Wir waren zunächst mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Auto unterwegs.
Im Sommer 2015 haben wir dann aus Versehen unser Wohnmobil gekauft. Die Geschichte dazu gibt es hier: https://www.arbeiten-unterwegs.de/aus-versehen-wohnmobil-gekauft/. Und seitdem sind wir 365 Tage im Jahr mit unserem WoMo Simon auf Tour. Wir leben und arbeiten darin. 2016 haben wir dann in Portugal unseren Hund Chief vom Universum zugeteilt bekommen 😉 Er komplettiert seitdem unser Team.

Unser Simon

Simon wurde 1996 von Euramobil auf die Welt gebracht. Er hatte seitdem einige Besitzer und ist schliesslich bei uns gelandet. Es ist ein ganz klassisches Alkovenfahrzeug. Mittlerweile hat er fast 350.000 km auf dem Tacho und begleitet uns seit fast 3 Jahren absolut zuverlässig überall hin. Er bietet uns genug Platz, um entspannt und ohne Rückenschmerzen den ganzen Tag am Rechner zu arbeiten, wenn es notwendig ist. Auch mit 8 Leuten darin zu sitzen und zu essen funktioniert erstaunlich gut. Sogar Chief hat dabei noch Platz. Wir haben das zu Weihnachten am Atlantik in Portugal ausprobiert.

Wir haben ihn ohne Vorrecherche, ohne grosse Ahnung von Wohnmobilen gekauft und er ist nahezu perfekt. Einziges Manko, der Alkoven ist zu niedrig für uns, wir können darin nicht beide schlafen. Deshalb bauen wir uns jeden Abend das Bett. Wenn einer noch wach ist, der andere müde, müssen trotzdem beide ins Bett gehen. Leben auf so kleinem Raum ist immer ein Kompromiss.
Wir haben Solar nachgerüstet und einige technische Features wie genügend USB Ladebuchsen, 12V Dosen und einen zum Fernseher umfunktionierten Monitor. Wir sind damit autark, was den Strom angeht. Die Toilette muss alle 5 Tage entleert werden. Da wir viel frei stehen, ist das immer ein wenig nervig. Deshalb sind wir gerade dabei, das WoMo zu wechseln. Mal sehen, was draus wird.

Ihr habt von uns den bekannten „Mit meinem Bett in…“- Fragebogen erhalten, wo beantwortet ihr die Fragen?
Wir stehen gerade in Portugal in der Algarve auf einem Campingplatz, wo wir uns mit unseren Geschäftspartnern und Freunden vom Camperstyle getroffen haben, die mit einem Wohnwagen unterwegs sind.

Warum habt ihr euch genau für diesen Ort entschieden? (Für Reisende)
Weil unsere Freunde hier sind. Es werden unter Anderem verschiedene Campingvideos (Bild) gedreht, das ist auf einem Campingplatz am einfachsten. Wir stehen zwar auch gerne mal irgendwo in Ruhe in der Natur, aber gerade naturnahe Campingplätze wie dieser sind in der Nebensaison gut auszuhalten, da hier wenig los ist.

War die letzte Nacht ruhig oder hört ihr wie wir derzeit oft die Hunde bellen?
Abgesehen vom Sirren der Mücken und dem Klackern der Tannenzapfen auf dem Dach hatten wir eine sehr ruhige Nacht. Bellende Hunde gehören in Spanien und Portugal zu jeder Nacht dazu. Oft sind sie nur leise zu hören und stören weder uns noch Chief.

Wie würdet ihr das Innere eures Reisemobils beschreiben, ist es euer Zuhause, das Wohnzimmer oder alles in einem?
Es ist unser Wohn-Schlaf-Arbeits-Koch-Esszimmer – unser Zuhause eben.

Die Küche steht im Reisemobil meist oft nicht weit vom Wohnzimmer entfernt, verratet ihr uns euer Lieblings-Camper-Rezept?
Puh, das eine Rezept gibt es bei uns gar nicht. Mein absoluter Favorit und nichts für Vegetarier ist mein Pulled Pork. Da wir dazu allerdings 16 Stunden den Grill anhaben müssen, kann ich es nur auf einem Stell- oder Campingplatz machen. Das Rezept inkl. Bildern für Pulled Pork beim Campen gibts hier: https://www.arbeiten-unterwegs.de/pulled-pork-wohnmobil/ Alternativ und viel leichter zu machen sind Quesadillas, die seit unserer Partnerschaft mit Nele und Jalil regelmäßig auf unserem Speiseplan stehen.

Kocht ihr oft selbst?
Ja. Nahezu täglich.

Wohnzimmer, Küche, Bad, alles auf wenigen Quadratmetern, warum reist ihr gerade mit dem Camper durch die Welt und nicht mit dem Flugzeug?
Weil wir nun mal aus Versehen unser Wohnmobil gekauft haben und das Reisen darin ganz cool finden. Eben weil das Zuhause immer dabei ist und unser Chief Flugzeuge sicherlich nicht so klasse findet.

Seit dem Januar 2016 der tierische Begleiter Chief auf der Reise mit dabei.

Camping wird oft auch mit Romantik in Verbindung gebracht, was waren bis anhin eure schönsten Erlebnisse „on the road“?
Es sind viele Erlebnisse. Die Begegnung mit unserem Hund und dass er nun mit uns reist. Die vielen Menschen, die wir kennengelernt haben und die Freunde und manchmal Geschäftspartner geworden sind. Es ist das Einschlafen und Aufwachen mit Meeresrauschen. Es ist aber auch das Weiterfahren wenn es irgendwo mal nicht so schön ist oder die Nachbarn nerven.

Freud und Leid liegen oft nahe beieinander, wo liegen die Probleme wenn man mit dem Camper unterwegs ist und seid ihr schon einmal stehen geblieben?
Krank im Camper ist anstrengend. Beide krank im Camper ist die Hölle. Ansonsten gibts für uns nix negatives. Liegen geblieben sind wir noch nie. Wir mussten zweimal rückwärts fahren, weil wir vorwärts nicht raus kamen, aber man wächst mit seinen Aufgaben.

Als Camper ist man immer auf der Suche nach der schönsten Route, von welcher Strecke schwärmt ihr bei jeder Camper-Unterhaltung?
Die Nordroute von Deutschland immer der Küste entlang bis nach Portugal in die Algarve ist wunderschön. Man sollte sich dafür aber 3-6 Monate Zeit lassen. Die Stauseen in Spanien und Portugal laden zum einsamen Übernachten ein. Durch Norwegen fahren ist ein Traum. Es gibt so viele tolle Routen. Sobald der Weg das Ziel wird, ist es überall wunderschön.

 Fahrt ihr nach Karte oder mit einem Navigationssystem (mit welchen)?
Wir nutzen Google Maps und manchmal Navigon (Wenn uns Google Maps mal wieder wo lang geschickt hat, wo wir definitiv nicht durch kommen).

Wann und wo habt ihr euch das letzte Mal so richtig verfahren und noch wichtiger wer hat dabei die Nerven behalten?
So richtig verfahren haben wir uns einmal, als Google uns zum Einkaufen einen Berg inmitten der Altstadt in einer Stadt in Spanien runterschicken wollte, wo schon ein PKW kaum durchgepasst hat. Da mussten wir anhalten, alle PKW anhalten und irgendwie wenden. Nervt ein wenig, stresst einen, aber mittlerweile sind wir bei sowas recht entspannt. Es sei denn, einer von uns hat Hunger.

Auf welche Apps könnt ihr als Reisende nicht mehr verzichten?
Google Maps, Park4Night, Camper Contact, Fahrtenbuch und diverse Fluglinien- und Bahn-Apps für die Reisen nach Deutschland zwischendrin.

Blogs, Facebook, Reiseführer: Wie informiert ihr euch über euer nächstes Reiseziel?
Manchmal inspirieren uns Blogbeiträge, oft haben wir ein grobes Ziel, dass wir in einigen Monaten da und da sein wollen, die Route ergibt sich dann daraus. Wir sind ja nicht auf Sightseeing Tour, daher gibt es kaum feste Ziele.

Folgt ihr auch mal den Touristen-Routen oder meidet ihr Sehenswürdigkeiten und Touristenhochburgen konsequent?
Sehr sehr sehr selten sind wir auch mal auf Touristen Routen. Dann aber eher zu Fuss.
Wie löst ihr das bekannte Internet-Problem, habt ihr eine SIM-Karte oder gar einen Satelliten?
Es gibt kein bekanntes Internetproblem für uns. Wir haben 2 Jahre damit gekämpft. Sat-Internet, zig Prepaid Karten aus aller Herren Länder, Smartphone Hacks, spanische Handy Verträge, dicke WLAN Antenne mit eigenem Linux Rechner dahinter und vielem mehr. Mittlerweile haben wir einen unlimitierten Vertrag der Telekom, einen mobilen Router, zwei LTE Antennen und 3 Sim-Karten und hatten nie wieder kein Internet.

Die Abenteurer stehen gerne in der wilden Natur aber auch auf einem Stell- oder Campingplatz.

Bei uns läuft während der Fahrt immer laute Musik, bei euch auch oder singt ihr lieber selbst?
Unser Auto ist so laut, dass Musik kaum Sinn macht. Musik läuft eher, wenn wir stehen. Selber singen wir nur, wenn wir alleine sind.

Wo übernachtet ihr lieber: Auf dem Campingplatz oder an einem wilden Ort in der Natur?Eigentlich mögen wir beides und es kommt stark auf unsere Stimmung und vor allem die Menschen an. So standen wir über Silvester wild und einsam in der Natur, geniessen aber ebenso Camping- oder Stellplätze mit netten Menschen und Freunden.

Wie lange könnt ihr mit eurem Reisemobil autak stehen? Und wer produziert in dieser Zeit euren Strom?
Strom kommt von der Sonne, siehe weiter oben. Autark sind wir 4-5 Tage wegen der Toilette. Wir streben aber ein neues WoMo an um mindestens 4 Wochen autark zu sein.

Apropos Sicherheit, wie sichert ihr euch während der Nacht? Hattet ihr gar schon einmal Angst?
Wenn einer von uns ein schlechtes Gefühl an einem Ort hat, dann fahren wir weiter. Das ist uns bisher zweimal passiert und ist unsere Sicherung für die Nacht. Zusätzlich haben wir eine recht beeindruckende tierische Sicherung.  Angst hatten wir einmal nachts, dass wir vielleicht mit der Klippe abbrechen, auf der wir standen 😉 Es gab heftigen Sturm in der Nacht und wir sind dann vorsichtshalber ein paar Kilometer ins Landesinnere gefahren.

Chief ist auch für die Sicherheit im Wohnmobil zuständig.

Zur schönsten Strecke gehört auch der schönste Stellplatz, wo liegt dieser für euch und warum?
Idealerweise irgendwo mit Blick aufs Meer oder in einem Wald oder auf einer Wiese. Manchmal werden die Stellplätze auch schön durch die Menschen, mit denen man diese teilt.

Welche Strecke möchtet ihr mit eurem Camper unbedingt einmal fahren, habt es aber bist jetzt noch nicht geschafft?
Schottland steht für dieses Jahr auf unserer Agenda, weil es letztes Jahr aus diversen Gründen nicht geklappt hat. Skandinavien und Griechenland sind dann die nächsten Ziele, zu denen es uns treibt und danach gibt es noch viel mehr.

Was ist entscheidend, ob ihr eine oder gleich mehrere Nächte an einem Ort bleibt?
Eine Nacht bleiben wir nur, wenn die Nacht nicht schön war oder die Umgebung mit Chief nicht schön ist. Sonst sind wir immer mehrere Nächte an einem Ort.

Fussballmatchs, Konzerte, oder den Backofen: Was vermisst ihr am meisten von Zuhause wenn ihr „on the road“ seid?
Hmmm, Konzerte. Das liegt aber weniger am on the road sein als am Hund. Manchmal fehlt mir (Sebastian) eine Badewanne und Stefanie das spontane Kaffe trinken gehen mit ihren Freundinnen oder der Familie.

Hand aufs Herz, wie oft schaut ihr unterwegs Filme oder Serien online an? Habt ihr einen Fernseher dabei oder dient der Laptop auch dafür?
Wir haben einen Monitor mit Amazon Stick zum Fernseher gemacht. Wir sind Serienjunkies und schauen schon häufiger Abends Serien an. Dank unlimitiertem Internet, Netflix und Amazon ist das ja auch kein Problem.

Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen an einem harmonischen Kommunikation

Im Camper zu leben heisst zusammenleben auf wenigen Quadratmetern, fliegen da auch einmal die Fetzen?
Das passiert eher selten. Aber jeder hat mal einen schlechten Tag. Dabei fliegen bei uns schon lange nicht mehr die Fetzen, weil wir schon seit Jahren an einer harmonischen Kommunikation arbeiten. Genervt ist der eine oder andere von uns aber durchaus mal. Wir merken das dann und machen dann erstmal ne Stunde jeder seins. Ein Hund zum Gassi gehen hilft dabei 😉

Was schätzt ihr am Reisen als Paar?
Dass man Erlebnisse teilt. Sowohl die schönen, die durch das Teilen noch beeindruckender werden als auch die negativen, die dadurch einfacher zu ertragen sind. Es ist schön, 24/7 beeinander zu sein. Aber es ist auch schön, zwei bis dreimal im Jahr ein paar Tage getrennt zu sein. Intensiv Zeit auch mal mit anderen zu verbringen. Wobei wir uns nach einem Tag dann schon wieder vermissen.

Hat sich eure Beziehung verändert, seit ihr auf der Reise seit?
Sie ist intensiver geworden, gefestigter. Wir hatten während der letzten Jahre eine schwierige Zeit auf Grund externer Umstände. Ich weiß nicht, ob unsere Beziehung das im Steinhaus überlebt hätte.

Sebastian im Einsatz als Dozent. Diesen Job kann der Abenteurer auch von unterwegs aus gut machen.

Damit auch der nächste Tank wieder gefüllt ist, braucht es Geld, womit finanziert ihr eure Reise, lebt ihr dauerhaft im Camper?
Wir leben dauerhaft im Camper. Wir sind beide selbständig und verdienen unser Geld mit eigenen Webseiten, wir sind als Dozenten tätig und beraten einige grössere Kunden im Bereich Suchmaschinenoptimierung. So finanzieren wir unser Leben.

Apropos Tank, wie viel habt ihr für die letzte Füllung bezahlt? (Literpreis/Land)
Öhm – ich habe keine Ahnung. Ich glaube hier in Portugal kostet der Liter so 1,30 Euro

Wohin geht eure Reise in den kommenden Monaten? Wie sieht eure Route aus?
Jetzt geht es für mich (Sebastian) nach Deutschland auf die Camping Messe CMT und zu Workshops. Ausserdem schaut er sich ein potentielles neues Wohnmobil an. Je nachdem wie sich das entwickelt, passen wir unsere weiteren Pläne an. Denn sollten wir ein neues Wohnmobil kaufen, dann müssen wir irgendwie unsere WoMos tauschen und Simon verkaufen. Danach steht Schottland oder Skandinavien auf dem Plan, im Herbst dann vermutlich noch einmal kurz Deutschland und dann vielleicht Griechenland. Vielleicht kommt aber auch alles anders. So wie die letzten Jahre 😉

Wo seht ihr euch in 5 Jahren? Seid ihr dann immernoch „on the road“ oder vielleicht doch wieder sesshaft? (Für Reisende)
Vermutlich reisen wirimmer noch im Wohnmobil durch die Gegend. Aber wenn wir ehrlich sind, planen wir nicht so weit im Voraus.

Wir danken Stefanie und Sebastian für das spannende Interview und wünschen eine gute Weiterreise und stets genug Sprit im Tank. Die nächste Folge „Mit meinem Bett in…“ folgt schon bald. 

Von | 2018-01-31T19:27:57+00:00 24, 1, 2018|"Mit meinem Bett in...", Interviews|0 Kommentare

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