Mit meinem Bett in: Debbi und Dominic im Interview

Debbi und Dominic hält keine Panne auf!

Auf der ganzen Welt sind Reisende, wie wir, mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Sie suchen sich ihren Weg durch steiles Gelände, dem Strand entlang oder durch Grossstädte. Sie stossen an ihre Grenzen, erleben atemberaubendes und lernen dabei fürs Leben. In unserer Serie „Mit meinem Bett in…“ stellen wir dir immer Sonntags verschiedene Reisenomaden vor. Im 27. Teil lassen wir heute Debbi und Dominic vom YouTube-Kanal „HalloAbenteuer“ zu Wort kommen.

Persönlich 

Wir sind Debbi (23) und Dominic (26) von HalloAbenteuer und kommen aus der Schweiz – genauer aus dem Kanton Aargau. Unsere Jobs haben wir letztes Jahr gekündigt und unseren Haushalt aufgelöst. Zusammen mit unserer 12-jährigen Hündin Emy sind wir in unseren Bus gezogen und bereisen jetzt die Welt oder zumindest Teile davon. In Marokko hat sich dann auch noch Jackson, ein schwarzbrauner Strassenmischling, unserer Crew angeschlossen.

So eine Reise war schon lange ein Traum von uns, nur fehlte uns der Mut. Wir redeten uns mit zu wenig Geld und beruflichen Weiterbildungen raus. Aber es kam anders!

Ich habe Morbus Crohn. Das ist eine chronische Darmentzündung, die leider als unheilbar gilt. Die Krankheit verläuft aber sehr unterschiedlich. In vielen Fällen kann man mit oder ohne Medikamente trotzdem wunderbar leben. Nachdem aber unser Traum auf der Kippe stand und ich in Kinderjahren bereits gegen Krebs gekämpft hatte, wurde mir etwas sehr Wichtiges klar.

Wir haben nur ein einziges Leben und machen uns viel zu viele Sorgen um belanglose Kleinigkeiten. Wer sagt uns, dass wir diesen Traum auch erst in 2-3 Jahren leben können??! Die Entscheidung war gefallen, mehr als genug Mut gesammelt und wir zogen los. Wenn das Geld irgendwann ausgeht, können wir uns wieder Arbeit suchen! So einfach!

Das war jetzt ganz schön viel Text zum Anfang… Sorry! Auf unserem Blog und auf unserem Youtube-Kanal HalloAbenteuer nehmen wir euch mit auf unser Abenteuer. Aktuell sind wir gerade in Marokko.


Dein Fahrzeug 

Unser rollendes Zuhause ist ein Mercedes 310D 4×4. Mit seinen 26 Jahren und einem Kilometerstand von über 310’000 ist er nicht mehr der Jüngste. Aber mit Sicherheit einer der Coolsten ;P! Fredy, so heisst der Bus, hat uns aber auch schon viel Ärger gemacht. Ab und zu hat er seine Macken und läuft erst wieder, wenn Dominic ihm etwas Liebe schenkt.

Wir haben Fredy vor rund  2 Jahren gekauft und hätten da aber nie gedacht, dass wir schon so bald losziehen mit ihm. Dementsprechend hatten wir bei der Vorbereitung auf Island einen richtigen Stress. Auch am Abend der Abfahrt wurde noch gebastelt und geschraubt.

Es ist viel einfacher, wenn wir euch unseren Fredy zeigen. In diesem Video öffnen wir für euch die Türen von unserem Zuhause:


Ihr habt von uns den bekannten „Mit meinem Bett in…“- Fragebogen erhalten, wo beantwortet ihr die Fragen?
Wir sind gerade in Tabant. Das ist ein kleines Dorf auf fast 2000m Höhe im Atlas-Gebirge in Marokko. Seit über einer Woche stehen wir hier neben einer alternativen Schule und helfen dabei eine Permakultur aufzubauen. Dominic repariert gerade einen Wasserhahn und ich sitze vor dem Bus und beantworte die Fragen für euch.

Warum habt ihr euch genau für diesen Ort entschieden?
Man kann ja nicht immer nur Urlaub machen ?! Nein, Spass! Ein lieber Freund aus der Schweiz ist hier und wir haben uns spontan entschieden, hier auch mitzuhelfen. Zudem gibt uns dieses Projekt auch einen tieferen Einblick in die Kultur und es hat ein paar echt goldige Kinder hier.

Camper neben der Schule

Hier stehen Debbi und Dominic aktuell, links von Camper Fredy ist auch die beschriebene Schule zu sehen.

War die letzte Nacht ruhig oder hört ihr wie wir derzeit oft die Hunde bellen?
Die Schule ist am späten Nachmittag zu Ende und dann wird es ruhig. Auch unsere Hunde schlafen dann zum Glück und es bellt niemand.

Wie würdet ihr das Innere eures Reisemobils beschreiben, ist es euer Zuhause, das Wohnzimmer oder alles in einem?
Unser Bus ist sehr kompakt. Aber trotzdem haben wir alles, was wir brauchen. Also tagsüber ist es Wohnzimmer und Küche und abends dann Schlafzimmer.

Die Küche steht im Reisemobil meist oft nicht weit vom Wohnzimmer entfernt, verratet ihr uns euer Lieblings-Camper-Rezept?
Sogar direkt neben dem Wohnzimmer, wobei wir auch gerne im Freien kochen! Wir stehen total auf Süsskram und Desserts. Der Mixer und der Omnia sind die Lieblingsteile hier und Brownies oder eine Rüeblitorte gehen immer. Das Rezept zur Aargauer Rüeblitorte #vanmade findet ihr hier.

Kocht ihr oft selbst?
Wir kochen sehr viel selbst, vor allem auch um das Budget zu schonen. Hier in Marokko gehen wir aber auch ab und zu lecker Essen.

Wohnzimmer, Küche, Bad, alles auf wenigen Quadratmetern, warum reist ihr gerade mit dem Camper durch die Welt und nicht mit dem Flugzeug?
Unsere Hündin Emy musste mit und mit Flugzeug wäre das nicht fair. Mit einer chronischen Darmerkrankung bin ich zudem ganz froh immer eine Toilette dabei zu haben und genug Platz für Medikamente.

Camping wird oft auch mit Romantik in Verbindung gebracht, was waren bis anhin eure schönsten Erlebnisse „on the road“?
Wir hatten schon super viele schöne Erlebnisse und so ein Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel (besonders auch in der Wüste!!) ist schon sehr romantisch.

Freud und Leid liegen oft nahe beieinander, wo liegen die Probleme, wenn man mit dem Camper unterwegs ist und seid ihr schon einmal stehen geblieben?

Unser Fredy ist ja nicht mehr der Jüngste und hat schon über 300’000km gelaufen. Da gibt es hin und wieder Probleme… Ok, wir hatten schon ganz schön viele Pannen. Aber das gehört wohl dazu und mittlerweile bleiben wir entspannt bei Problemen. Irgendeine Lösung gibt es immer.

Wollt ihr wirklich eine Aufzählung?! Da muss ich überlegen…

  • Kurz nach Reisestart mussten wir eines der vorden Blattfederlager tauschen. Das Teil hatten wir aber zum Glück dabei. Dominic hat das dann auf einem Parkplatz in Frankreich kurz getauscht.
  • In Spanien ist uns dann ein Teil der Carosserie gerissen. Deshalb und weil wir viel zu wenig Solar verbaut hatten, haben wir uns 3 Wochen in Spanien niedergelassen. Wir lernten Eric kennen und durften in seiner Wohnung wohnen und haben dafür seine Jeeps repariert. Dafür hat er uns geholfen, unseren Fredy wieder auf die Strasse zu kriegen.
  • In Marokko ist uns dann die gleiche Stelle an der Carosserie wieder gerissen!! Und da haben wir uns dann sehr aufgeregt. Bis uns bewusst wurde, dass wir deswegen nicht unseren Traum aufgeben dürfen. Aufstehen, reparieren und weiter geht es!
  • Es ging weiter nach Mauretanien und da haben wir uns einen riesigen Schaden eingefangen. Wir starteten auf ein Wüstenabenteuer von 500-600 Kilometer und fuhren vollbeladen über eine kleine Sanddüne. Unsere Vorderachse ist kaputt!! Das Achsrohr hat sich verbogen und wir waren echt ratlos. Mitten in der Wüsten haben wir dann die Antriebswelle ausgebaut und sind vorsichtig zurück in die Zivilisation gefahren. Die Vorderachse ist leider ein Spezialteil und so schnell nicht zu ersetzen. Das Wüstenabenteuer in Mauretanien beendet. Wir fuhren zurück nach Marokko. Unser Vorderrad steht jetzt etwas schief und wir haben aktuell nur noch Heckantrieb. Da unser Fredy aber trotzdem noch so gut fährt, werden wir uns diesem Problem irgendwann in Europa annehmen. 
  • Zurück in Marokko, kurz vor Tafraoute, ist uns das Radlager kaputtgegangen. Es stank plötzlich so fest und wurde sehr heiss, an eine Weiterfahrt war nicht mehr zu denken. In einer Bushaltestelle an der Strasse nahm Dominic alles auseinander. Eine Bekanntschaft aus dem Netz rettete uns mit dem passenden Ersatzteil. Nach einem Tag für die Reparatur unter einfachsten Bedingungen konnten wir aber weiterfahren. Das Video dazu kommt irgendwann auch noch.

Genug Pannen? Ja, das finden wir auch!! Die kleinen “Unterhaltsreparaturen“ habe ich jetzt weggelassen. Da kann ich mich nicht an alle erinnern… Zum Glück habe ich den richtigen Mann für so viele Reparaturen dabei ;).

Als Camper ist man immer auf der Suche nach der schönsten Route, von welcher Strecke schwärmt ihr bei jeder Camper-Unterhaltung?
Auf eine Strecke kann ich mich unmöglich beschränken. Insbesondere in Island oder jetzt aber auch in Marokko gibt es so viele schöne Strecken, auch für das Offroader-Herz.

Fredy im Wasserloch

Debbi und Dominic sind am liebsten auf der „Piste“ unterwegs.

Fahrt ihr nach Karte oder mit einem Navigationssystem?
Wir navigieren mit einem älteren Samsung-Tablet und Karten auf OSM-Basis. Für Pisten oder Offroad laden wir uns als Ergänzung oft noch Google Satellitenbilder.

Wann und wo habt ihr euch das letzte Mal so richtig verfahren und noch wichtiger wer hat dabei die Nerven behalten?
Anfangs haben wir uns oft verfahren. Mittlerweile haben wir das besser im Griff. Eigentlich behalten wir beide die Nerven. Wir haben nur selten ein fixes Ziel und haben uns schon an die schönsten Ecken verfahren.

Auf welche Apps könnt ihr als Reisende nicht mehr verzichten?
Wir nutzen einige Apps. Aber unverzichtbar sind wohl die Folgenden:

  • Whatsapp für die Kommunikation mit Freunden und Familie
  • Goolge Übersetzer
  • DayCost für den Überblick über unsere Ausgaben
  • PostCardCreater um Postkarten an die Grosseltern zu senden

Blogs, Facebook, Reiseführer: Wie informiert ihr euch über euer nächstes Reiseziel?
Reiseführer benutzen wir sehr selten. Blogs und Facebook nutzen wir lieber als Inspiration. Oft fragen wir auch einfach Einheimische oder andere Reisende, was sich lohnt.

Folgt ihr auch mal den Touristen-Routen oder meidet ihr Sehenswürdigkeiten und Touristenhochburgen konsequent?
Wir lieben die Natur und halten es in einer Stadt oder Touristen-Hochburg nur kurz aus. Es gibt aber auch Orte, die wir trotz vielen Touristen nicht verpassen möchten.

Wie löst ihr das bekannte Internet-Problem, habt ihr eine SIM-Karte oder gar einen Satelliten?
Wir kaufen eigentlich in jedem Land eine SIM-Karte. Aktuell nutzen wir gerade Maroc Telecom.

Bei uns läuft während der Fahrt immer laute Musik, bei euch auch oder singt ihr lieber selbst?
Es läuft Musik über Spotify. Während Dominic fährt, darf ich DJ spielen.

Wo übernachtet ihr lieber: Auf dem Campingplatz oder an einem wilden Ort in der Natur?
Kuschelcamping mögen wir gar nicht. Campingplätze fahren wir eigentlich nur an, wenn wir auf die Infrastruktur angewiesen sind und dann meist auch nur für eine Nacht. Ein Plätzchen in der Einsamkeit der Natur ziehen wir auf jeden Fall vor.

Fredy auf der Piste

Auf Campingplätzen sucht man die Abenteurer vergebens, viel eher findet man die Truppe weit draussen in der Natur.

Wie lange könnt ihr mit eurem Reisemobil autark stehen? Und wer produziert in dieser Zeit euren Strom?
Mit unserer 300W Solaranlage haben wir immer genug Strom. Unsere Wasservorräte von 120 Liter reichen bei uns für eine Woche. Aktuell beschränkt meist der Wasservorrat unsere Zeit autark. Aber wir haben eine Filteranlage und wenn es irgendwo in der Nähe Wasser gibt, können wir so lange dableiben bis wir unsere Vorräte aufgegessen haben.

Apropos Sicherheit, wie sichert ihr euch während der Nacht? Hattet ihr gar schon einmal Angst?
Wir schliessen den Bus ab und haben ja zwei schön flauschige Alarmanlagen. In der Nacht hatten wir noch nie Angst. Unser alter Camper wurde aber in Südfrankreich schon einmal ausgeraubt, als wir nicht da waren.

Zur schönsten Strecke gehört auch der schönste Stellplatz, wo liegt dieser für euch und warum?
Wir haben so einige Lieblingsplätze. Einer davon liegt in Südspanien direkt neben einer heissen Quelle. Die genauen Standorte unserer Stellplätze veröffentlichen wir nicht. Leider wissen manche Camper nicht, wie man sich benimmt und die Plätze gehen kaputt.

Fredy in der freien Wildbahn

Die schönsten Stellplätze halten Debbi und Dominic geheim.

Welche Strecke möchtet ihr mit eurem Camper unbedingt einmal fahren, habt es aber bist jetzt noch nicht geschafft?
Wir lassen uns treiben. Die Seidenstrasse reizt uns sehr oder vielleicht auch von Alaska nach Südamerika.

Was ist entscheidend, ob ihr eine oder gleich mehrere Nächte an einem Ort bleibt?
Unsere Laune, das Wetter, die Vorräte und die Nachbarn.

Fussballmatchs, Konzerte, oder den Backofen: Was vermisst ihr am meisten von Zuhause wenn ihr „on the road“ seid?
KÄSE!! Wir vermissen echt nicht viel. Am meisten vermutlich unsere Familie und Freunde. Gleich danach aber der gute Käse. Gerade hier in Marokko ist dieses Problem sehr akut ;D.

Hand aufs Herz, wie oft schaut ihr unterwegs Filme oder Serien online an? Habt ihr einen Fernseher dabei oder dient der Laptop auch dafür?
Wir haben keinen Fernseher. Wenn dann nutzen wir den Laptop, um Mal einen Film zu schauen. Der letzte ist aber schon wieder ein paar Wochen her. Ein schönes Lagerfeuer mit lieben Leuten und tollen Gesprächen bevorzugen wir.

Im Camper zu leben heisst zusammenleben auf wenigen Quadratmetern, fliegen da auch einmal die Fetzen?
Ohja! Wir zwei sind beides Sturköpfe und gehen gerne in die Luft… Das wissen wir nach fast 5 Jahren Beziehung aber auch und versöhnen uns immer wieder!

Dominic am Schrauben

Dominic hat nicht selten schwarze Hände.

Was schätzt ihr am Reisen als Paar?
Man kann die vielen Erlebnisse teilen und sich auf den Anderen verlassen. Jeder hat seine Stärke.

Hat sich eure Beziehung verändert, seit ihr auf der Reise seit?
Wir verbringen natürlich viel mehr Zeit miteinander. Das ist manchmal schön und manchmal auch echt nervig. Aber man wächst zusammen und lernt Kompromisse zu finden.

Damit auch der nächste Tank wieder gefüllt ist, braucht es Geld, womit finanziert ihr eure Reise, lebt ihr dauerhaft im Camper?
Wir leben dauerhaft im Camper und momentan ausschliesslich von unseren erarbeiteten Ersparnissen. Wenn diese aufgebraucht sind, müssen wir wieder arbeiten.

Apropos Tank, wie viel habt ihr für die letzte Füllung bezahlt? (Literpreis/Land)
Wir tanken hier in Marokko meist für 400 DIH, da sie sonst immer Wechselgeld suchen müssen… Der Liter Diesel kostet hier um die 9,5 DIH (= ca.0.90 EUR).

Wohin geht eure Reise in den kommenden Monaten? Wie sieht eure Route aus?
Wenn wir alle Papiere für unser neues Reisemitglied besorgt haben, fahren wir mit der Fähre zurück nach Spanien. Irgendwann müssen wir dann unsere Vorderachse reparieren… Im Sommer wären wir gerne in Skandinavien. Eine genaue Planung haben wir schon lange aufgegeben.

Jackson am Wasserfall

Sobald Jackson die passenden Papiere hat, geht die Reise weiter nach Spanien.

Wo seht ihr euch in 5 Jahren? Seid ihr dann immer noch „on the road“ oder vielleicht doch wieder sesshaft?
Keine Ahnung! Darüber machen wir uns im Moment keine Gedanken. Wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit haben diese Reise zu machen!

Wir danken Debbi und Dominic für das spannende Interview und wünschen eine gute Weiterreise und stets genug Sprit im Tank. Die nächste Ausgabe „Mit meinem Bett in…“ folgt schon bald. 

Von | 2018-04-01T10:05:23+00:00 1, 4, 2018|"Mit meinem Bett in..."|0 Kommentare

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