Reisetagebuch 28/18: Riga, Vilnius, Russland und Weissrussland

Zwei Hauptstädte mit Riga und Vilnius, zwei eeigentlich nur mit Visum zu bereisende Länder – Russland und Weissrussland – in denen wir ohne Visum waren und das alles in zwei Wochen, denn wegen Grippe meinerseits gab es letzte Woche kein Reisetagebuch. Dafür ist dieser Newsletter umso umfangreicher… Es gibt viel zu erzählen und zu zeigen.


86 Wochen sind vorbei!
Lies hier, was wir alles erlebt haben.

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#28/18: Riga, Vilnius, Russland und Weissrussland
Steig ein und reise mit uns durch alle 47 Länder Europas!

Ojeoje… da erleben wir so viel und ich liege ausgerechnet übers Wochenende mit Grippe in Karl, bewege mich keinen Meter und kann keine 5 Minuten in einen Bildschirm schauen. Deshalb gab es letzte Woche kein Reisetagebuch…Ja, ich war krank und staune noch immer, dass es Lui nicht auch erwischt hat, schliesslich leben wir auf nicht einmal 10 m2 zusammen… Entsprechend habe ich heute extrem viel zu erzählen und leg auch gleich los.

Alles anschnallen, es geht nach Riga! Das ist die Hauptstadt von welchem Land nochmal..? Nee! Die Frage stellen wir uns seit ein paar Wochen nicht mehr! Von Lettland, weiss doch jedes Kind (das wie wir schon einmal da war hihi). Also Film ab für Riga, die Stadt der Blumen, des grössten Indoor-Marktes und der Katzen – wo Katze?

Von der Stadt haben wir ja unterschiedliches vorab gehört, mich hat sie positiv überrascht, war sie doch sehr sauber, der Kern gross und voller historischer Gebäude und auch die Restaurants und Cafés luden zum Verweilen ein. Ach und Katzen haben wir auch ganz viele gesehen, allerdings musste ich die ja streicheln… da hatte ich keine Zeit ein Foto davon zu knipsen.

Ein Nachmittag reichte uns für die Stadt dann auch aus. Zu oft waren wir in der letzten Zeit in urbanen Zonen, es zog uns raus ans Meer und somit an den längsten Sandstrand Lettlands. Jurmala war das nächste Ziel, 27km weisse Pracht grenzt den dahinterliegenden Wald vom Meer ab. Der harte Sand lädt zum Radfahren und für kilometerlangen Spatziergänge ein.

Leider – obwohl eigentlich auch zum Glück – darf der Strand nicht mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden und der Parkplatz dahinter lädt uns nicht zum Übernachten ein. Also fahren wir etwas weiter zurück ins Hinterland und übernachten an einem See mit Aussichtsturm. Der Platz bleibt ruhig, als wir am Morgen die Gegend zu Fuss erkunden, sticht uns ein böser Gestank in die Nase… Faule Eier? Ein Schild klärt auf: Schwefelquellen am Uferbereich des Sees! Zum Glück kam der Wind in der Nacht nicht von dort.

Obwohl das Wetter am nächsten Tag nicht so wahnsinnig dolle war, schnürten wir die Wanderschuhe und machten uns auf den Weg zu einer weiteren Moorwanderung. Beim Parkplatz gab es auch ein kleines Infobüro und eine der Broschüren stach mir sofort ins Auge! Jaja, du weisst bestimmt längst, entweder ein Steg oder etwas pelziges. Dazu kommen wir später. Denn erst ging es jetzt auf diese Moorwanderung und über die hier verbauten Stege. Dick eingepackt – war kühl heute Nacht – watscheln wir durch den Wald und beim Moor angekommen, werden wir von der Sonne gegrillt. Oops… Ist doch sonnig und heiss heute! Ach und bevor ich es vergesse und du jetzt denkst: WOW ist das schön, aber wo bitte ist das? Das ist im Kremeri Nationalpark die Lielais Kemeru tirelis Runde und ja, es war wunderschön!

Zurück bei Karl gab es kein Halten mehr! Ich hatte ein Ziel klar vor Augen und Lui hat bestimmt schon gebetet, dass wir die Dinger auch wirklich zu Gesicht bekommen, denn er weiss genau, da gehe ich nicht weg, bevor ich sie gesehen habe.

Unser Navi – die App Here we go – macht seinem Ruf mal wieder alle Ehre und führt uns auf direktem Weg auf die Schotterpiste, obwohl die Dunduru Wiese doch auch über Asphalt Strassen erreichbar gewesen wäre… Aber darüber sind wir nur zu schnell sehr froh! Hier hinten hätten wir sie nicht gesucht, haben sie aber schon von weitem gesehen. Erst waren es dunkle Punkte, dann Flecken von hellgrau bis schwarz und kurz bevor wir auf ihrer Höhe waren, namen die Schattierungen Form an: Eine riesige Herde Konik. WAS? Na Pferde! Konik Pferde sind eine zur Ursprünglichkeit zurückgezüchtete halbwilde Pferderasse so richtig mit Aalstrich und teilweise Streifen an den Beinen.

Natürlich haben wir auf ihrer Höhe geparkt, Lui hat für einmal den Kochlöffel geschwungen und so konnte ich über das Mittagessen und weit darüber hinaus den Pferden zuschauen und mich im Zählen üben. Gar nicht so einfach aber es müssten gut 100 Pferde gewesen sein!

Ein gewaltiger Anblick und wunderschön den Tieren im Herdenverband zuzuschauen. Es war dann auch der letzte Stopp in Lettland. Ein Land mit tollen Naturschönheiten, wiederum sehr sauber und gepflegt, wenn auch klar ersichtlich ist, dass sie weniger zur Verfügung haben, als noch in Estland.

Mal sehen, was uns nun im 40. Land unserer Reise – Litauen – erwartet! Navi ist programmiert, die Karte offline gestellt und der erste Shop von einem Mobilfunkanbieter herausgesucht. Kann ja wohl nix mehr schief gehen!

Hier fallen uns die Unterschiede sofort auf! Lustigerweise aber nicht, weil jetzt Müll am Strassenrand herumliegen würde – tut es nicht – oder weil offene Strassenkriminalität zu sehen wäre – nope alles läuft in geordneten Bahnen. Nein, es ist etwas viel weniger auffälliges. Es sind die Kühe! Also noch nicht einmal die Kühe selber, sondern die Form ihrer Weidehaltung. Viele Kühe aber keine Zäune! Sie sind meist angepflockt und nur selten sind welche eingezäunt! Ja, jetzt sind wir definitiv zurück im Osten! Vorweg: Wir finden diese Form auch nicht die tiergerechteste, aber würdigen trotzdem, dass die Tiere draussen auf der Wiese sein dürfen. Ist denen bei uns nämlich nicht allen vergönnt.

Natürlich sind nicht nur Kühe angepflockt, sondern auch Ziegen, Schafe und Pferde. Die Hühner habens besser, die rennen einfach frei herum und für die Hunde gilt etwa die 50:50 Regel. Die einen fristen ein trauriges Dasein an der Kette, die anderen jagen frei über den Hof und die angrenzenden Felder.

Willst du ein paar Bilder vom Wegesrand sehen? So sieht Litauen auf dem Land draussen aus:

Teilweise sehr ärmlich und einfach, andererseits neu und mit wiederum super gepflegten Gärten, wie wir es ja schon aus Estland und Lettland kennen. Bereits die ersten Stunden Fahrt zeigen, dass der Wohlstand von oben – also von Estland – nach unten stetig abnimmt. Ob sich das wohl auch im Rest des Landes widerspiegelt?

Als erstes fahren wir einen Bauernhof Campingplatz an. In Lettland bekamen wir fortlaufend nur übel riechendes Wasser und hoffen sehr, dass sich dies hier wieder zum besseren ändert. Der Platz ist sehr schön, äusserst gepflegt, die junge Dame an der Rezeption spricht perfekt Englisch und ich habe schnell eine Freundin gefunden. Nein, nicht die Dame… Bonnie! Eine wenige Monate alte kleine quitsch fidele und hyperaktive Katzendame. Wir spielen die halbe Nacht hindurch mit kleinen Äpfeln, Schnürsenkeln und Steinchen bis mir die Wiese irgendwann einfach zu feucht wird. Natürlich gibt es auch von Bonnie kein Bild – wie hätte ich den kleinen Wirbelwind denn so lange bändigen sollen? Im Vlog ist sie aber kurz zu sehen 🙂 Hier gibt es ein paar total langweilige Bilder vom wunderschönen Stellplatz, ganz ohne pelzige Foto-Bomben.

Das es Irish Tinker auf dem Platz hatte – nein, das hat jetzt nichts mit den Tinker-Pferden zu tun! – lass ich mal getrost weg. Da kann der Platz schliesslich nichts für. Was ich aber noch erwähnen möchte: Es gab sauberes Wasser und der Camping liegt nur unweit von unserem ersten Ziel in Litauen entfernt.

 

Kein Strom mehr im Camper! 
Erst die Wanderung durch ein tolles Moor, dann der Schock: Der Wechselrichter läuft nicht mehr! Fehlersuche beginnt… Teil 2 folgt im Anschluss!
 

Spontan mit dem Camper nach Russland?
Na der Titel des Newsletters verspricht ja schon viel… Ob wir wohl einfach über die Grenze gefahren sind?
 

Supermarkt-Check in Estland
Auch in diesem Land nehmen wir euch nebst vielem anderem im Vlog mit in einen Supermarkt.
 

Stromprobleme im Camper endlich gelöst
Es war eben doch nicht der Wechselrichter, aber jetzt ist das Problem gelöst und Steffi bäckt einen leckeren Kuchen mit dem Omnia.
 

Du kannst uns treffen!
Im letzten Newsletter haben wir ja schon informiert, hier gibt es noch mehr Details zu den bevorstehenden Teffen und Messen.

Ich behaupte: Jeder, der sich schon einmal mit Litauen als Reiseziel auseinandergesetzt hat, der kennt den Berg der Kreuze. Ein 10 Meter hoher Hügel der mit abertausenden von Kreuzen übersät ist. Gemäss Legende ist dem Vater eines schwerkranken Kindes im Traum eine weisse Frau erschienen und die sagte ihm, er solle hier ein Kreuz errichten. Das hat der Mann getan und als er zurück nach Hause kam, war die Tochter gesund. Klar verbreitet sich so eine schöne Geschichte schnell und so nahm der Berg der Kreuze immer weiter zu.

Ein sehr berührender Ort, der mittlerweile zu einem regelrechten Wallfahrtsort geworden ist.

Zurück in Karl schalten wir einen Podcast ein. Momentan hören wir sehr gerne die wöchentliche Folge von ZEIT Verbrechen – eine Ausgabe der Zeitschrift die ZEIT, indem die Expertin für Verbrechen von unglaublichen Geschichten erzählt. Da flitzt die Zeit im Auto nur so rum und schon sind wir in Kaunas angekommen. Wir parken Karl direkt neben der Burg und erkunden die zweitgrösste Stadt Litauens bequem zu Fuss.

Der Ort gefällt uns auf Anhieb! Klein und überschaubar das Zentrum, hübsche Häuser, richtig viel Leben in der Fussgängerzone und leckeres Essen – obwohl wir hier gestehen müssen, dass wir Italienisch bzw. Asiatisch gegessen haben. Irgendwie fanden wir einfach keine traditionellen litauischen Lokale! Vielleicht ist die regionale Küche für die Universitätsstadt einfach nicht hip genug? Egal, das Essen war super lecker und hätten wir einen Sticker vom Ort gefunden, so würde der nun hinten auf Karl kleben… Hätte… Würde… leider nein.

Schlafen wollten wir dann aber doch nicht auf dem Parkplatz neben der Burg, zu viel war da schon am Abend los. Also fuhren wir noch zur Stadt hinaus und fanden unweit der Autobahn einen Platz am See. Obwohl der ganz idyllisch aussah, befürchteten wir ja regen Verkehr und zwielichtige Geschäfte nur rund 200 Meter von der Autobahnausfahrt entfernt… Da waren wir froh, dass zwei andere Camper ebenfalls dort nächtigten und wir nicht alleine waren.

Tja, wie wir im Nachhinein wissen, waren die Sorgen absolut unbegründet. Wir verbrachten eine sehr ruhige Nacht am See und wach hielt uns einzig die Wärme, die auch weit nach Einbruch der Dunkelheit nicht unter 23 Grad fallen wollte.

Der Plan für heute sah wie folgt aus: Morgens früh losfahren und gleich nach Vilnius hinein, am späteren Nachmittag die Stadt verlassen und in der Nähe des Wasserschlosses von Trakai nächtigen. Der Plan ging genau so lange auf, bis uns Vilnius in seinen Bann zog und wir die Stadt auf keinen Fall nach wenigen Stunden verlassen wollten. Also blieben wir über Nacht und erkundeten die Stadt ausgiebig.

Und natürlich mussten wir auch auswärts essen. Hier fanden wir auch zahlreiche traditionelle Lokale, probierten die Zepelin dings bums Knödel mit Fleisch bzw. Frischkäsefüllung und da wir so lange da waren, reichte der Hunger auch noch für die zwei Menüs:

Ja, Vilnius ist richtig toll und hat uns beiden wirklich sehr gut gefallen. Leider drückt so langsam der Zeitdruck… Anfang Oktober ist mit dem CVSM das erste Treffen im Tirol und das bringt uns Langzeitreisende etwas in Stress. Ein Fixdatum aber noch gefühlt tausende Orte, die wir bis dahin noch besuchen wollen. Also fuhren wir weiter zum bereits erwähnten Wasserschloss, arbeiteten am Nachmittag etwas und übernachteten mal wieder an einem See. Erst am nächsten Morgen machten wir uns auf ins Ort und zu dem Wasserschloss.

Okay, das sieht jetzt gemütlich und verlassen aus – war es aber nicht! Busweise werden hier Touristen hingekarrt und strömen allesamt in diese Burg hinein. Wir drehten nach einem kurzen Besuch im Innenhof schnell um, erkundeten noch etwas den Ort und führten ein Telefongespräch – kurz, wir trödelten. Warum? Keine Ahnung, aber auf einmal kam uns da ein Kastenwagen entgegen, Moment mal TG Schilder – ha! Auch Thurgauer. Luagsch… Ah! Das kann doch nicht wahr sein! Die zwei Frauenfelder GeoCacher, die wir seit Süd-Norwegen immer wieder ganz knapp verpassen! Im Schlepptau Jonas mit seinem Zoll-Bulli – ihn kennen wir aus Cesis, Lettland und noch ein drittes Fahrzeug, Jasmin kennen wir aber noch nicht. Endlich treffen wir uns einmal persönlich und das zelebrieren wir mit ein paar leckeren gefüllten Teigtaschen und kühlen Getränken im nächsten Lokal. Wir kommen gar nicht aus dem Plaudern heraus und als wir stunden später bei Karl ankommen, erwartet uns nicht nur unser Camper…

Beim Gespräch mit den anderen Reisenden fällt das Thema auf den Mittelpunkt Europas hier in Litauen. Shit! Den hätten wir um ein Haar verpasst, fahren samt Zettel nochmals eine Stunde zurück und stehen dann hier:

Hää… wart ihr nicht schon am Mittelpunkt Europas? Ja, auch die Slowakei erhebt Anspruch auf diesen Titel und schon dort waren wir an einem Mittelpunkt. Dieser hier scheint etwas wissenschaftlich korrekter zu sein, denn es sind sämtliche Kennzahlen und gemessenen Orte angegeben. Doch die grosse Unbekannte im Uralgebirge kann auch hier nicht dementiert werden. Wo genau die Mitte Europas liegt… wir werden es wohl nie erfahren – aber wir bleiben dran! 🙂

Dran bleiben wir auch immer noch an Russland! Weder in Finnland, noch in Estland oder Lettland ist uns eine Einreise ohne wochenlanges Warten auf ein Visum gelungen. Vielleicht jetzt in Kaliningrad? Leider wurde das Transit-Visum per 1.1.2017 abgeschafft, damit hätten wir relativ leicht einreisen können.

Auf Google Maps entdecke ich ein Dreiländereck – Litauen, Polen, Russland. Da wollen wir hin und wer weiss, vielleicht ergibt sich dort eine Möglichkeit.

Bereits online lese ich, dass es verboten sein soll, in die Richtung von Russland nur schon zu fotografieren… Auweija, ob das gut geht? Karl ist schnell geparkt und den Weg bis zum Dreiländereck-Markierungspfahl finden wir schnell. Hinter uns hält schon wieder ein Bus mit Touristen Polen oder Litauer sind es, dem zwei-flaggigen Sticker auf ihrer Brust an. Sie gehen vor, knipsen munter Fotos in alle Richtungen und ziehen von dannen. Jetzt sind wir dran. Bewacht ist hier nichts, abgesehen von den Überwachungskameras. Hohe Grenzzäune sollen abschrecken, aber ich glaube, die sind mehr Zier als echt. Wir stehen auf der polnischen Seite, in Richtung Litauen steht ein hoher neuer Zaun mit Stacheldraht aber keine zehn Meter nach der Ecke endet er einfach in einer Wiese. Der Russische ist etwas weniger modern und weniger abschreckend, dafür thront eine Überwachungskamera hoch oben auf einem Gerüst. Aber auch dieser Zaun endet am Waldesrand. Dort dahinter zu klettern ist uns dann doch zu riskant, Strafen werden auf der Infotafel angedroht… Also begnügen wir uns mit der Säule. Auch hier ist angegeben, dass der Aufenthalt im Russischen Bereich untersagt ist und keine Fotos erlaubt sind. Die Gruppe vor uns hat uns aber mutig gemacht, wir hüpfen nach Russland, knipsen ein paar Bilder und ein Selfie und klatschen ab! Wir haben es geschafft, wir waren mit unseren beiden Beinen auf Russischem Boden! Ja, es zählt, auch wenn wir selber sehr gerne viel mehr von Russland gesehen hätten. Aber eins versprechen wir uns hier und jetzt: Russland bekommt in naher Zukunft viel mehr Zeit von uns geschenkt!

Und nun sind wir zurück im 20. Reiseland: In Polen. Wir fahren in die Masuren mit dem Plan, dort zu wandern und Kanu zu fahren doch hier erwischt es mich. Ich liege volle zwei Tage flach und im Anschluss machen wir nur eine kurze Tour durch die wunderschöne Landschaft. Das Wetter macht nicht mit und meine Verfassung lässt auch noch keine 6 stündigen Paddeltouren zu… Im Nationalparkzentrum sehen wir nicht nur verletzte und schwache Störche im Auffang-Gehege, sondern erfahren von einer leichten kurzen Tour zu Fuss durch die Masuren. Tja, leider verpassen wir irgendwo im Wald einen Abzweiger und aus geplanten 45 Minuten wurden über zwei Stunden! Doch ganz so schlecht war es nicht… schau mal, was wir alles am Wegesrand entdeckt haben:

Schopf-Tintlinge, Eierschwämme – oder Pfifferlinge je nach Dialekt – und sogar einen prächtig grossen Steinpilz nahmen wir von dieser Wanderung mit und zauberten ein leckeres Pilzrisotto daraus.

Zwischenzeitlich waren wir erneut in Kontakt mit Melanie und Sandro – den zwei Frauenfelder Cachern – und sie fanden tatsächlich eine Möglichkeit, nach Weissrussland zu reisen, ohne lange Visa-Wartezeiten. Durch meine Grippe waren wir nun hinter ihnen und so präsentierten sie uns die ganzen Kontakte und Informationen auf dem Silberteller. Vielen lieben Dank für die tolle Vorbereitung! Und leider schafften wir es nicht rechtzeitig dahin, um zusammen mit ihnen nach Belarus zu radeln. Aber am Abend ihrer Rückkehr trafen wir sie erneut in Polen und am nächsten Tag ging es dann auch für uns in die letzte Diktatur Europas.

Auch wir entschieden uns für die Tages-Einreiseerlaubnis beim Polnisch-Weissrussischen Urwald, besorgten uns diese Erlaubnis bei einem Tourismusanbieter und wenige Stunden später durfte ich ein Dokument in russischer Sprache unterschreiben – was da wohl drin stand?

Am nächsten Morgen mieteten wir zwei Fahrräder und radelten die noch gut 4 Kilometer zur Grenze. Die Polen winkten uns nach Ausräumen der Rucksäcke rasch durch, doch als Lui’s Pass beim Weissrussischen Zöllner war, änderte sich dessen Miene leicht „one moment“, Fenster zu, Pass weg und wir durften warten. Oho… was ist denn jetzt los? Quälend lange Minuten verstrichen, bis sich endlich die Türe öffnete, der Zöllner in den Raum trat und das Fenster wortlos wieder öffnete. Nun noch etwas am PC rumdrücken, Taschen ausräumen und los ging unser Weissrussland-Abenteuer.

Das erste Ziel heisst Väterchen Frost. Auf dem Weg dahin kamen wir bereits an einer 600 Jahre alten Eiche und einer 350 Jahre alten Pinie vorbei. Doch wer ist eigentlich Väterchen Frost fragst du dich bestimmt… Na der Russische Weihnachtsmann! Und den besuchten wir dann auch in seinem Zuhause. Laut musste ich 3x rufen, bevor sich der sehr sympathische und fröhliche – und wahrscheinlich der einzige englisch sprechende Weissrusse – zeigte.

Freut euch auf den Vlog dazu! Da hört ihr mich sowie den russisch sprechenden Führer rufen. Ach es war herrlich kitschig, aber ich fand das ganze Weihnachtsdorf sehr gelungen und nun weiss auch ich – wie jedes russische Kind auch – das der Weihnachtsmann im Urwald lebt. Zum Schluss gab es noch ein selbst gebackenes Plätzchen als Geschenk – ja, es wäre möglich, dass ich dem Regime-Charme verfalle. Hier wirkt alles so freundlich und gepflegt… bald aber wird uns eindeutig klar, dass wir hier in einer wunderbaren heilen Scheinwelt herumgeführt werden. Die nächste echte Stadt ist zuweit weg für uns mit unseren Fahrrädern, also machen wir „die grosse Reise“ wie sie auf den Wegesschildern genannt wird, weiter mit. So kommen wir an einem Tierpark vorbei, sehen die vielen hier heimischen Tiere – wobei wir bei vielen lieber schnell wegschauen… Bären, Luchs, Marder, Bussard – so wünsche ich keinem Verbrecher hausen zu müssen. Die Wisente – unsere europäischen Bisons – haben es da besser getroffen…

Zum Schluss haben wir auch noch eine Eintrittskarte für das Museum. Mein persönlicher Eindruck ist, dass sämtliche im Tierpark gestorbene Tiere dürftig ausgestopft werden und dann ihren Platz im Museum finden… Hier ist alles voll  mit ausgestopften Tieren. Aber das muss ich schon noch sagen, sie haben sie teilweise gelungen und teilweise sehr ähm kreativ ausgestellt. Das Pferd aber tut mir selbst tot noch leid, denn die schrecklichen Hufe hatte es wohl schon zu Lebzeiten…

Bevor wir die ganze Stecke zurückradeln mussten, kehrten wir noch bei einer gleich neben dem Tierpark und Museum gelegenen Gaststätte ein. Die machte einen guten ersten Eindruck, die Karte sogar dürftig auf Englisch übersetzt, die Kellnerin hingegen verstand nicht einmal, was wir mit Visa-Card? Mastercard? meinten. Also wechselten wir in die Zeichensprache und bekamen ein Nicken als Antwort auf die Frage, ob wir hier denn mit Karte zahlen können – Geldautomaten gibt es im Urwald eben nicht…

Wir entschieden uns für die zwei Gerichte, die als einzige den Zusatz ‚Belarus typical dish‘ hatten und erhielten folgende Menüs serviert:

Die Getränkekarte war ausschliesslich auf Russisch und mir war schnell klar, dass sie „Apple Juice?“ nicht verstand. So überlegte ich noch, wie ich das in Zeichensprache erklären kann… da hörte ich von Lui: „And a Coca Cola.“ Meine Augen schnellten zur Kellnerin und die nickte eifrig, ja das wars! Ich bestellte eine Fanta und siehe da, es klappte. Wenn die einfachsten Dinge plötzlich irre kompliziert werden, ja, dann bist du definitiv in einer anderen Welt angekommen.

Nachdem wir die Karte durchgezogen hatten und um 18.50 Weissrussische Rubel leichter waren (keine 8 Euro!), schwangen wir unsere schmerzenden Hintern zurück in die Sättel und strampelten zurück. Die Grenzkontrolle war diesmal ruckzuck erledigt und das waren wir auch, nach über 60 Kilometern auf dem Rad, unzähligen Eindrücken und etwas schwitzen bei der Einreise.

Die letzten zwei Nächte verbrachten wir an einem Fluss in Polen, nutzten den für einmal guten Mobilfunkempfang zum Arbeiten und zur Planung unserer Ukraine-Tour. Die steht nämlich direkt vor der Tür, Lemberg – oder auch Lviv genannt – ist nur noch knapp 4 Stunden von unserem aktuellen Standort in Polen entfernt. Dazwischen liegt noch eine Stadt in Polen, die wir uns anschauen wollen und dann geht es auch schon hinein ins 43. Reiseland und die wahrscheinlich spannendste noch anstehende Grenze mit Karl.

Drück uns die Daumen, dass alles gut und reibungslos klappt. Du hörst hier von uns wieder nächste Woche, also vorausgesetzt, wir kriegen in der Ukraine auch eine SIM-Karte mit mobilen Daten oder finden einen Wifi-Spot. Naja, wird schon klappen.

Bis Bald!

Dein comewithus2-Team
Lui & Steffi

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Von | 2019-01-01T14:26:57+00:00 23, 9, 2018|Osteuropa, Reisetagebuch|0 Kommentare

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